Erstellungsdatum: 29/03/2003 letzte Änderung: --/--/2002



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Bericht des CF-ler´s Willem Brinkert - Teil 1


Morgens, dann wenn man in den Dämmerschlaf übergeht, kurz vorm Aufstehen, das ist der Moment wo ich weiß wie der Tag ablaufen wird. Meisten ist in dem Moment mein Zimmer hell erleuchtet. Die Sonne, gerade aufgegangen, scheint dann über den Horizont hinweg direkt in mein Zimmer, durch die große Glasseingangstür. Selten sind die Tage, selbst im Winter, wo ich an meinem Tagesablauf die Sonne nicht zu Gesicht bekomme. In dem Moment wo ich meinem Dämmerschlaf entkomme, weiß ich, daß ich die meiste Zeit des Tages im Freien draußen verbringen werde. An den seltenen Tagen wo ich nicht in einem hell erleuchteten Zimmer aufwache, träume ich am Tag weiter vor mir her bis die Sonne dann endlich verspätet durch die Wolken dringt.

Mein Name ist Willem Brinkert, habe CF und ich lebe an der Algarve in Portugal. Seit 1989 lebe ich hier und würde es wohl auf Dauer nicht mehr in Deutschland aushalten. Trotzdem komme ich regelmäßig in die alte Heimat zurück.

Vor ungefähr fünf Jahren bin ich auf Mukoland gestoßen und habe so einen erwachsenen Mukopatienten kennen gelernt. Udo Grün habe ich dann das erste Mal ein Mail vor etwa drei Jahren geschrieben. Seit dem haben wir uns mehr oder weniger regelmäßig geschrieben. Vor einiger Zeit schrieb er mir dann, daß er hier vorbei kommen würde. Erst habe ich mich gewundert, daß solch eine Reise überhaupt nach einer LTX möglich ist, dann aber sehr gefreut. Besonders deswegen das wir uns endlich mal persönlich vorstellen konnten. Wir haben uns dann am Strand in Albufeira getroffen, wo ich erst einmal für einen Portugiesen gehalten wurde. Nach kurzer Aufklärung daß meine Eltern waschechte Norddeutsche sind, habe ich Anne und Udo zu mir nach Hause eingeladen. Es war super Udo kennen zu lernen. Ich muß sagen daß er jetzt, einem Jahr nach seiner LTX, besser aussieht als auf dem Bild auf seiner Homepage. Er hat mehr Farbe (wahrscheinlich auch wegen seinem Portugalaufenthalt). Nun er hat dann ein paar Fotos davon gemacht wie ich hier so lebe und mich gebeten eine kleine Story zu schreiben wie ich hier lebe und was mein Lebensinhalt ist.




Es waren einmal zwei Menschen: Mein Papa und meine Mama. Schon als sie sich kennen gelernt hatten wußten sie daß es sie nie lange an einem Ort hält. Sie waren echt Abenteuerlustig. Sie sind es immer noch! Nun sie haben eine Tochter bekommen, meine Schwester, und lebten mit ihr in einem kleinen, selbst gebauten, Häuschen am Grossen Meer in Ostfriesland.

Doch nach nur kurzer Zeit wurde es Ihnen dort langweilig. Dann entschlossen sie sich ein Segelboot zu besorgen. Da die finanziellen Möglichkeiten nicht gerade enorm waren haben sie kurzerhand alles selbst in die Hand genommen und innerhalb eines Jahres ein Vierzehn Meter langes Segelboot gebaut. Sie brauchten nicht lange dann war das Haus verkauft und sie lebten auf dem Boot in der Stadt Weener an der Ems. Es war schon eine groß Umstellung aber es gefiel Ihnen und auch meiner Schwester.

Irgendwann wurde es aber Zeit, daß Boot auf einer größeren Strecke auf den Prüfstand zu setzten. Sie haben beschlossen ein Jahr lang sich von der Arbeit, meine Eltern arbeiteten damals beide im Krankenhaus, als Krankenpfleger, zu befreien und Urlaub zu machen. Nach längeren Verhandlungen mit den Arbeitsgebern wurde dieser auch gewährt. Nun fehlte nur noch das Ziel der Reise zu finden. Nach kurzer Zeit war dieses gefunden: Finnland! Hinsegeln sich im Winter dort einfrieren lassen und im darauf folgendem Jahr wieder zurück. Vieles war schon geplant als etwas dem Ganzen in die Quere kam. Nun dieses etwas war ich ! Um diese Urlaubsjahr nicht aufgeben zu müssen, wurde kurzerhand das Reiseziel gewechselt. Portugal! Viel wärmer, zumindest nach Aussagen anderer Segler. Viel besser um mich auf die Welt zu bringen.

Also sind sie dann einfach los gesegelt. Von Wenner in die Nordsee, durch den Ärmelkanal in die Biscaia, an der Westküste Portugals vorbei, bis an die Südküste der Algarve nach Vilamoura. Dort angekommen mußten sie sich erst einmal aus dem warmen Segleroutfit befreien um nicht an einem Hitzeschlag zu erliegen. Es war wie im Paradies. Blauer Himmel, lange Sandstrände… Nun es gab nicht so viele Palmen wie im Paradies aber dafür eine Menge schöne andere Bäume wie die Pinien die bis an die Steilküsten der Strände wachsen. Es war natürlich logisch, daß ich bei solch einem Ort nicht mehr lange auf mich warten lies. Ich wollte schließlich auch etwas von dieser Gegend kennen lernen. Also bin ich dann im September 1982 geboren. Im Krankenhaus in Faro. Ich wurde in den nächsten Monaten erst einmal braun gebrannt (so sehe ich heute immer noch aus: der Grund weshalb ich oft für einen Portugiesen gehalten werde!). Als das Jahr dann zu Ende war mußte mein Eltern ja wieder zurück. Ich natürlich auch. Obwohl, wenn man damals auf mich gehört hätte, wir schon zu der Zeit an der Algarve geblieben wären. Nun ja… Trotz der Meinung meiner Schwester und der meinen, die ich durch lautstarkes Babygeschrei versucht habe klarzustellen, haben es meine Eltern geschafft wieder nach Deutschland zurück zu kehren.

Wieder in Wenner kündigte sich nach einiger Zeit mein Bruder an. Er brachte das Boot zum Platzen was dazu führte, daß meine Eltern sich kurzerhand ein Haus in einer Wenneraner Siedlung bauten. Immer wieder machten wir Urlaub in Portugal. Nicht mehr mit dem Segelboot, sondern wir sind alle zusammen mit dem Auto hingefahren. Irgendwann haben sich meine Eltern dann ein Gründstück in Strandnähe gekauft. Mit Aussicht auf den Hafen von Vilamoura. Dort haben sie sich dann ein kleines Ferienhäuschen gebaut. Wir drei kleinen haben natürlich geholfen wo wir konnten. Besonders dabei denn Sandhaufen (für die Mörtelarbeiten) als Sandkiste zu benutzen. Natürlich auch den Strand. 1989 war es dann soweit. Meine Eltern haben in Deutschland Haus und Boot verkauft und wir sind alle fünf nach Portugal gezogen. Und hier leben wir immer noch. Nach dreizehn Jahren ist dies der Ort wo meine Eltern am längsten bis jetzt an einem Ort gelebt haben.

Bei mir wurde Cf im Alter von zwei Jahren festgestellt. Meine Geschwister sind beide gesund. Nachdem ich mit anderthalb Jahren bei einem Portugalurlaub in ernsthafte Schwierigkeiten wegen Salzmangels gekommen war, wurde ich in einem deutschen Krankenhaus auf den Kopf gestellt. Nach kurzer Zeit hatten sie es dann: CF! Durch die Arbeit wussten meine Eltern sofort was das bedeutete. Sie kannten aber nur die negativen Seiten. Nicht, daß es auch gute Zeiten geben kann. Das haben sie aber nach nicht all zu langer Zeit festgestellt. Immer wenn ich mit meinen Eltern und meinen Geschwistern an der Algarve im Urlaub war merkten meine Eltern wie schnell sich mein Körper erholte. Aber in Deutschland verschlechterte sich dann mein Zustand immer wieder. Im Winter die damals schon zur Gewohnheit gewordene Lungenentzündung mit dazugehörigem Krankenhaus Aufenthalt. So war es dann nicht sehr schwierig für meine Eltern, sich für denn dann endgültigen Schritt nach Portugal zu entschließen. Obwohl es die meisten Ärzte meinen Eltern abrieten mit einem kranken Sohn ins Ausbland zu ziehen, taten sie es.

Zwar habe ich immer meine Kreon nehmen müssen und meine jährlichen Krankenhaus Besuche zur Kontrolle in Deutschland, aber nie hatte ich größere Probleme mit meiner Lunge. Die Luft hier ist an sich schon so salzhaltig das man nach einem Strandspaziergang mit der dazugehörigen Sporteinlage alles abhustet und eine freie Lunge hat. Mit sechzehn Jahren wurde bei mir Pseudemonas festgestellt, worauf ich angefangen habe mit Tobramicin zu inhalieren. Als der Keim dann im darauf folgenden Jahr nicht verschwunden war, habe ich meine erste i.v. gemacht. Ich fand es schrecklich vierzehn Tage mir diesem "Schlauch" in meinem Arm. Habe es aber durch gestanden. Nach einigen weiteren Inhalier- und i.v.-Therapien bin ich nun Pseudemonas negativ laut letzter Sputumuntersuchung (nun wenn man ein Keim einmal hat…).

Meine wichtigste Therapie war immer Sport. Immer noch gehe ich bis zu viermal die Woche ins Fitness Studio. Von Wellenreiten, bis Segeln macht mir alles Spaß, was am oder im Wasser stattfindet. Auch klettern und Kajak fahren macht mir Spaß. Früher bin ich auch viel Fahrrad gefahren. Das habe ich dann allerdings aufgeben nachdem ich mein 125-Motorradführerschein mit 16 gemacht habe. Ich habe hier eine portugiesische Schule von der ersten Klasse an besucht. Nun studiere ich hier in Faro Elektrotechnik. Ich war erst ein Jahr in Lissabon und habe dort ein Informatik Studium begonnen, daß habe ich dann aber wegen der Verschlechterung meiner Gesundheit (2 Lungenentzündungen) aufgegeben und bin "Back to the Algarve". Schon seit meinem 15. Lebensjahr habe ich im Sommer immer gearbeitet um mein Taschengeld aufzubessern. Ich habe immer in der Touristenbranche gearbeitet. Nun arbeite ich als Barkeeper.

Mein Vater hat das Boote bauen nie aufgegeben. Er hat mich damit angesteckt. Es macht mir Spaß aus Holz ein Boot zu formen. Diesen Sommer bauen wir drei Kajaks. Eins ist schon fast fertig. In den letzen Jahren haben wir auch schon eine 6 Meter lange Segeljolle gebaut. Letztes Jahr haben wir ein kleines Fischerboot gebaut, die "Estrela do Sol" (Sonnen Stern), die nun am Strand liegt und uns zum Fischen dient.

Außerdem habe ich noch Fotografie und Schreiben als Hobbies. Mir ist eigentlich nie langweilig. Seit dem Studium erst recht nicht mehr. Nun ab und zu mag ich gerne dann auf Abendteuer-Tour gehen. Irgendwo hinfahren und die Gegend erkunden. Mit Freunden oder mit meinem Bruder. Im Winter wenn es dann mal regnet lese ich gerne. Mich interessiert vieles. Und nicht nur technisches auch andere Wissenschaften. So zum Beispiel auch die Biologie. Ich habe mir sehr viel angelesen über die Funktion meines Körpers. Mein Mama hat sich auch sehr viel zum Lesen über CF besorgt. Vieles auch in dem Bereich der Naturheilkunde. Irgendwann sind wir auf Crataegus gestoßen. Das hat dazu geführt, daß ich seit etwas mehr als einem Jahr keine Kreon mehr brauche. Auch an Gewicht habe ich zugenommen. Wir sind immer noch dabei andere Wege und Mittel zu finden als die "normale" Medizin. Natürlich habe ich nie auf die Schulmedizin verzichtet, nur haben meine Eltern und ich es immer sehr überlegt, mit welcher Therapie es nun weitergeht.

Nun stelle ich Euch noch mein Leben ein wenig bildlicher vor:

Alcoutim bei Nacht / Guadiana Farbe / Wassermühle Guadiana



Das sind Fotos die ich vor zwei Jahren im Sommer gemacht habe, als ich mit einem Freund mit dem Kanu auf dem Guadiana unterwegs war. Wir waren eine Woche mitten in der Wildnis. Bis wir dann in Alcoutim angekommen sind.

Evaristo Sonnenuntergang / Falesia


Der lange Strand ist der nächste von dort wo ich wohne. Da gibt's wohl die besten Wellen der Algarve zum Wellen surfen.

Haus Pata


Das ist das Häuschen was wir hier als erstes gebaut haben, und wo wir anfangs drinn gelebt haben. Nun vermieten wir es als Ferien Möglichkeit.

Mandelblüte


Das sind die Mandelblüten. Im Frühling sehen die Mandelbäume in der ganzen Algarve so aus. Zu diesen weißen Blüten gibt es eine kleine Geschichte, die ich in der Grundschule erzählt bekommen habe. In dieser Geschichte geht es um einen König, der an der Algarve lebte. Dieser hat eine Frau aus dem Norden geheiratet. Als sie dann hier an der Algarve lebte, wurde sie mit der Zeit immer trauriger. Dann eines Tages fragte der König seine Gemahlin was sie denn hätte. Sie antwortete, daß sie den Schnee so vermisse. Also lies der König in seinem ganzen Reich Mandelbäume pflanzen. In dem nächsten Frühling war die Königin ganz überrascht als sie aus ihrem Fenster schaute. Die ganzen Weiden und Wiesen waren alle weiß. Die Mandelblüten hatten sich überall verteilt, so dass es wie Schnee aussah. Von da an war die Königin nicht mehr traurig. Seitdem gibt es an der Algarve so viele Mandelbäume.

Pau Da Bandeira / Praia Dos Pescadores


Das ist zweimal der Strand in Albufeira. Einmal im Hochsommer und einmal im Winter.

Pumanur Kopf I / Pumanur Kopf II


Das ist eine unserer Katzen: Puma. Mir macht es immer wieder Spaß ihn zu fotografieren.

Römische Brücke Paderne I / Roemische Bruecke Paderne II


Das sind die Ruinen von Paderne. Einmal die alte Brücke im Tal und die Burg auf dem Berg im Hintergrund. Paderne ist eine kleine Ortschaft im Hinterland die aber noch zum Kreis Albufeira gehört.

Schafe Pata


Wenn ich morgens zur Uni fahre, kann es mir mal passieren, daß mir diese Schafherde auf unserem Zufahrtsweg (der übrigens gar nicht mal so kurz ist) entgegenkommt.

Segelboot I / Segelboot II / Segelboot III



Dies sind drei Fotos. Das eine bin ich in meinem ersten Segelboot ein Optimist. Das andere ist die Jolle die mein Vater und ich zusammen gebaut haben. Das letzte ist ein Foto von Faro nur von der See aus.
Ich hoffe Euch hat mein Bericht gefallen. Es grüßt Euch aus Portugal

Willem Brinkert