Erstellungsdatum: 07/1997 letzte Änderung: 15/06/2003



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Infos über die Möglichkeit einer Lungentransplantation

Im Februar 1995 besuchte ich ein Seminar zum Thema Lungentransplantation in Hannover. Hier wurde das Thema ausfuehrlich besprochen und erklaert. Leider kann man die Daten gar nicht so schnell verarbeiten. Ich habe mir damals die fuer mich wichtigen Punkte mitgeschrieben. Zu Hause habe ich diese Punkte noch einmal aufgearbeitet. Alle Daten beziehen leider auf das Jahr 1995.

Daten aus Hannover:

insg. 170 Lungentransplantationen
Davon 28 in 7 Jahren bei Mukoviszidose
Hiervon sind 4 Patienten verstorben
Bei 3 Patienten hatte sich der Zustand so verschlechtert,
dass sie erneut zur Retransplantation anstanden.

Transplantationen bei "Mukoviszidose Stand 5.6.1999"

Seit 1990 wurden in Hannover 51 Lungen bei
Mukoviszidose-Patienten transplantiert; nach fünf
Jahren lebten von den Operierten noch mehr als zwei Drittel

Wer kann transplantiert werden ?

1. Alle Personen, bei denen der Wachstumsvorgang abgeschlossen ist !
2. Lungenkranke bei denen der FEV1-Wert unter 30% ist.
3. Lungenkranke bei denen die Blutgasanalyse unter 50 mmHg liegt.
4. Die Altersobergrenze liegt bei 55 Jahren

Wie alt kann man mit einer neuen Lunge werden ?

Ein in Hannover transplantierer Mukoviszidose Patient lebte 1995 seit 6 Jahren mit dem neuen Organ.

Wie meldet man sich zur Transplantation an ?

Die heimatliche CF-Ambulanz, der Hausarzt oder der Lungenfacharzt meldet seinen Patienten mit allen Voruntersuchungsergebnissen im Transplantationszentrum an. In Hannover z.Beispiel werden diese Unterlagen gesichtet und ausgewertet. Kommen die Aerzte in Hannover zum gleichen Schluss wie der ueberweisende Arzt, so wird der Patient vor Ort untersucht. Folgende Untersuchungen werden gemacht:

1. Lungenfunktionstest
2. Blutgasanalyse
3. kleiner Herzkatheter
4. allgemeine Untersuchungen

Sollten alle Ergebnisse fuer eine Transplantation sprechen, so wird der Patient auf die Warteliste gesetzt. Die mittlere Wartezeit betraegt ca. 12 Monate.

Was passiert dann ?

Der Patient bekommt einen Piepser, damit die Erreichbarkeit gesichert ist. Die Kosten werden hierfuer zum Teil von den Kassen uebernommen.Um bei einer moeglichen Transplantation infektfrei zu sein, muß der Patient mit Antibiotika auf Dauer behandelt werden. Eine OP ist bei einem Infekt leider nicht moeglich.Welcher Patient eine zur Verfuegungstehende Lunge erhaelt, bestimmt einzig und alleine die Transplantationszentrale der Eurotransplant in Leiden Holland. Steht dann eine Lunge zur Verfuegung, so wird der Patient verstaendigt und sofort nach Hannover gebracht. Hier beginnen dann alle Vorbereitungen zur Operation.

Die Transplantations-OP

Die Freigabe zur OP erfolgt erst, nachdem das Entnahmeteam das Spenderorgan entnommen und untersucht hat. Die Transplantation der Lunge dauert normalerweise zwischen 2 1/2 Stunden und 5 Stunden. Nach der OP wird der Patient zwischen 2 und 5 Tagen im "Tiefschlaf" gehalten, da der Patient nach der OP beatmet wird.In einigen Faellen kann es laenger dauern, da die Beatmung erst abgeschaltet werden kann, wenn der Patient selbststaendig atmet. Nach 10-12 Tagen auf der Intensivstation kommt der Patient auf die normale Station.

Die Lungentransplantation wird ohne Herzlungenmaschine vorgenommen. Die Keime der alten Lunge wuerden sich an den Kunststoffwaenden festsetzen. Somit haette die neue Lunge sofort wieder eine Infektion. Zuerst wird eine und dann die andere Lungenseite transplantiert. Die Atmung ist dadurch sichergestellt. In der nachoperativen Phase wird der Patient durch den Beatmungsschlauch taeglich bronchioscopiert. Moegliches Sekret an der Nahtstelle der Luftroehre wird abgesaugt. Hierdurch soll ein moeglicher Verschluss verhindert werden. Ist der Patient entlassen, so muss er innerhalb des ersten 1/2 Jahres nach der OP woechentlich zur Untersuchung nach Hannover. Spaeter braucht der Patient im Normalfall nur noch 1/4 jaehrlich zur Kontrolle nach Hannover. Der Patient wird immer auf ein Medikament angewiesen sein, dass die Abstossung des neuen Organs verhindern soll. Bei ca. 50% der Patienten steigt der FEV1 Wert und bei 50% faellt der FEV1 Wert nach der Transplantation. Mukoviszidose bedingte Infektionen werden seltener. Andere koennen aber auftreten.

Die Ueberlebenschance betraegt nach 1 Jahr 80% und nach 5 Jahren 60%.

Alle obengenannten Informationen sind lediglich die Dinge, die ich bei dem Seminar als wichtig erachtet habe. Es soll auf keinen Fall ein medizinischer Aufsatz sein. Es bleibt jedem selbst ueberlassen, ein solches Seminar selber zu besuchen und seine eigenen Schluesse daraus zu ziehen.

Euer Udo Gruen