Erstellungsdatum: 08/2000 letzte Änderung: 17/02/2002



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Linde Heimox

Udo´s Testbericht über das Linde-Flüssigsauerstoff-System

Ich möchte Euch heute über meine Erfahrungen mit meinem neuen Flüssigsauerstoffsystem "Linde Heimox" berichten. In den letzten 7-8 Jahren wurde ich nachts mit einem Sauerstoffkonzentrator und einem Flaschen-Portabel-System versorgt. Hierzu möchte ich zuerst einmal Stellung nehmen. Der Generator verbraucht sehr viel Strom, hat eine ca. 10 minütige Anlaufphase und ist sehr laut. Man muss den Konzentrator schon in einem Nachbarzimmer unterbringen, um nachts die nötige Ruhe für den Schlaf zu finden. Der Generator erzeugt aus der normalen Raumluft den Sauerstoff. Dieser schwankt zwischen 92 & 95 %.

Das portabele System besteht aus einer Flasche und einem Regelgerät. Beides zusammen ist in einer Tasche verstaut und wiegt fast 7 Kilogramm. Es ist also ziemlich schwer. Wenn man den Regler so einstellt, dass man bei jedem 2. Atemzug versorgt wird, reicht die 2 Liter-Flasche ca. 25 Stunden. Das ist nicht sehr lange. Wenn es einem sehr schlecht geht, schafft man es nicht selber das Geraet zu tragen. Der Regler muss dann auch ganz aufgedreht werden, und die Versorgung reicht nur wenige Stunden.

Ihr seht, die beiden Geräte haben Nachteile. Sie werden aber in den meisten Fällen eher von den Krankenkassen genehmigt wie eine Flüssigsauerstoffversorgung. Ich war an einem Punkt angekommen, wo eine Rundumversorgung notwendig war. Ich habe die Angelegenheit mit meinem Ambulanz-Oberarzt besprochen, und er hat sofort den Austausch der "alten" Geräte gegen eine Flüssiganlage genehmigt. Ich bekam von ihm eine Verordnung (Rezept) und reichte es bei meiner Krankenkasse ein. Dieses Rezept wurde zur zentralen Hilfsmittelstelle geschickt, die nun alles weitere in die Wege leitete. Schon einen Tag später bekam ich einen Anruf von dieser Stelle. Man erkundigte sich nach der Literzahl und der Stundenanzahl, die ich täglich mit Sauerstoff versorgt werde. Einen Tag später kam der 2. Anruf mit der Bitte, dass mein Ambulanzarzt eine kurze schriftliche Stellungnahme abgeben sollte. Diese Begründung bekam ich innerhalb weniger Stunden von meinem Ambulanzarzt zugefaxt. Das Fax habe ich dann sofort an die Hilfsmittelstelle weitergeleitet. Es vergingen nun 4 Tage.

Dann  klingelte es morgens an meiner Haustür und ein freundlicher Herr der Firma Linde stand vor meiner Tür um mich zu beraten. Er erkundigte sich auch über meine derzeitige Situation und kam dann auch zu dem Entschluß, dass ein Flüssigsauerstoffgerät zum Einsatz kommen müsste. Er beriet mich sehr freundlich und zuvorkommend und beantwortete alle meine Fragen sehr geduldig. Ca. 2 Stunden dauerte dieses Gespräch. Er erklärte mir, dass er seine Erkenntnisse sofort an die Hilfsmittelstelle weiterleiten würde. Ihr glaubt es kaum, aber knapp 24 Stunden später klingelte mein Telefon. In der Leitung war der Auslieferungsfahrer der Firma Linde. 1 Stunde später stand die komplette Anlage bei mir. Auch hier wurde ich sehr gut angeleitet und meine Fragen wurden auch hier sehr geduldig beantwortet.

Nun "arbeite" ich knapp 2 Wochen mit dieser Anlage und sehe wirklich nur Vorteile. Ich möchte aber hinzufügen, dass ich diese Vorteile auf jeden Fall auf eine 24 stündige Rundumversorgung beziehe. Nun werde ich Euch alles genau erklären:

Ich bekam aufgrund meines Bedarfes einen 41 Liter- und einen 31 Litertank geliefert. Hierzu kam noch das T 1,2 Mobilteil. Die Anlage selber läuft bis auf das Blubbern des AquaDest absolut geräuschfrei und vorallem ohne Strom.

Hier seht Ihr ein Foto meiner Geräte, die zentral im Flur meiner Wohnung stehen. Da sie ohne Strom laufen, benötigt Ihr auch keine Steckdose in der Nähe der Geräte. Ihr müsst Euch einfach vorstellen, dass die Geräte eigentlich nichts anderes als Thermokannen sind. Hier wird der verflüssigte und auf ca. -183 Grad gekühlte Sauerstoff aufbewahrt und kalt gehalten. Pro Tag verdampfen allerdings ca. 0,46 Liter von alleine. Da die Lagerung von Flüssigsauerstoff in der Wohnung ein gewisses Gefahrenpotential darstellt, muss man die Hausrat und die KFZ-Versicherung darüber in Kenntniss setzen. Meine Versicherungen haben direkt Ihr OK dazu gegeben. Musterbriefe findet Ihr auf meiner Homepage.

Nun möchte ich näher auf die Geräte eingehen. Man kann sich direkt an den Tank mittels einer Leitung und einer Sauerstoffbrille anschließen. An den Tank wird zuerst ein AquaDest-Behälter angeschraubt und dann der Schlauch aufgesteckt. Die Literzahl ist wie folgt einstellbar: 0,25 0,5 0,75 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 4,0 5,0 und 6 Liter. Die Einstellung müßt Ihr mit Eurem Arzt absprechen. Das Geraet hat auch keine Vorlaufzeit und liefert sofort 99,9 % Sauerstoff. Hier nun ein Foto vom direkten Anschluß:

Der Fahrer der Firma Linde kommt einmal wöchentlich mit einem Tankwagen um meine Geräte zu befüllen. Die Tanks holt er mit einem automatischen Treppensteigegerät aus der Wohnung. Am Wagen angekommen wird der Restdruck zuerst abgelassen und dann der Tank neu befüllt. Auf den nächsten zwei Fotos seht Ihr die Geräte und den automatischen Treppensteiger und dann den Befüllungsvorgang.

Wie bereits erwähnt, könnt Ihr Euch zuhause direkt an den Tank anschliessen. Wenn Ihr unterwegs sein wollt, könnt Ihr Euch Euer portabeles Gerät an Eurem Tank befüllen. Bei diesem Vorgang geht aber immer ca. 1/2 Liter verloren und verdampft dabei. Zu diesem Thema habe ich als erstes ein Photo vom Oberteil der Station gemacht. Vorne seht Ihr die Befüllungsanzeige (der grüne Kreis), rechts den Schalter für die Litereinstellung und oben links die Vertiefung ist der Füllstutzen für das portabele Gerät. Oben rechts der Knopf kann gedrückt werden, wenn das Port. Gerät beim Füllvorgang festfrieren sollte.

Dieses wird einfach auf den Tank aufgesetzt. Mit der linken Hand drücke ich es auf den Füllstutzen. Mit der rechten Hand (Zeigefinger) öffne ich das Ventil, damit der flüssige Sauerstoff abgefüllt wird. Es gibt Geräte mit 0,5 und 1,2 Liter. Bei einem Verbrauch von 2 Liter hält das 0,5 Liter Gerät ca. 4,5 Stunden und das 1,2 Liter Gerät hält ca. 8 Stunden.

Die Handhabung beim Füllvorgang ich sehr einfach. Zwischendurch sollte das Ventil mehrfach schlagartig losgelassen werden, um ein festfrieren zu vermeiden. Dies kann schnell passieren, wenn man das Ventil zu lange geöffnet hält. Man sollte das Ventil immer für ca. 20 Sekunden öffnen. Die Befüllung sollte also in Intervallen geschehen. Sollte das Gerät dennoch mal festfrieren, muss man einen kurzen Moment warten, und man kann es dann durch drücken einer Taste lösen. Das portabele Gerät hat einen Schulterriemen, womit man es tragen kann. Dies kann ich aber niemandem empfehlen.

In den Kunststoffrippen des Gerätes bildet sich sehr schnell Eis. Das hat zur Folge, dass das ganze Gerät aufgrund des -183 Grad flüssigen Sauerstoffes sehr kalt ist. Man hat sich sehr schnell seine Nieren verkühlt. Auf dem nächsten Foto seht Ihr das gebildete Eis zwischen den Rippen des Gehäuses.

Auf keinen Fall sollte man das Gerät in einem normalen Rucksack auf dem Rücken tragen. Diese Rucksäcke haben zum Rücken hin keine Kältesperre eingearbeitet. Ich habe es getan und bekam einen Hexenschuss. Ich hatte starke Schmerzen und musste mich beim Arzt spritzen lassen. Wie passiert das ? Ganz einfach......ich ging mit meiner Frau bei warmem Wetter spazieren. Schnell fing ich auf dem Rücken unter dem normalen Rucksack an zu schwitzen. Das eiskalte Gerät verkühlte mir total den Rücken. 2 Stunden später konnte ich kaum noch laufen. Ich könnte mir auch eine Lungen- oder Rippenfellentzündung vorstellen, wenn das Gerät so auf dem Rücken getragen wird. Der Fahrer hatte mich gewarnt, und nun ist mir auch klar, warum. Ich habe mir also die Linde Tragehilfe verschreiben lassen. Sie ist speziell für das Lindesystem entwickelt wurden, und sollte unbedingt verwendet werden. Auf dem nächsten Foto seht Ihr diese Tragehilfe.

Es ist ein formschöner blauer Rucksack, der speziell angepasst wurde. Hier habe ich die Tragehilfe auf dem Rücken und von vorne seht Ihr sie kaum. Nur die Sauerstoffbrille läßt etwas erahnen.

Auf dem nächsten Foto seht Ihr mich mit meinem neuen Begleiter von hinten. Die Tragehilfe ist etwas breiter als das Geraet selber. So kann man im Sommer eine Flasche Wasser mit hineinstellen, die auch garantiert gut gekühlt bleiben wird. Eine Aussentasche ist auch noch aufgesetzt.

Nun möchte ich Euch aber noch die Besonderheiten dieser Tragehilfe erklären. Ihr seht auf dem nächsten Foto den aufgeklappten Linde "Rucksack". Das Gerät selber wird mit 2 Schnellspanngurten innen befestigt und kann dadurch nicht hin- und herwackeln. Für den Sauerstoffschlauch gibt es extra eine Durchführung. Zum Rücken hin ist eine Thermomatte als Kälteisolierung eingebaut. Der Rucksack selber hätte meiner Meinung nach ruhig 10-12 cm in der Höhe kleiner sein können. Ihr seht den freien Raum über dem Gerät. Die Seitenteile der Tragehilfe sind aus einem luftzirkulierenden netzartigem Material gefertigt.

Das Tragegeschirr ist hervorragend gepolstert und verarbeitet. Individuell einstellbar, lässt es beim Träger keine Wünsche mehr offen. Auf dem Rückenteil wurden noch zwei gepolsterte Kältebrücken angebracht. Sie liegen auf dem Rücken links und rechts neben der Wirbelsäule auf. Es ist wirklich ein gutes Tragegefühl.

Ich bin von diesem System total begeistert. Nun kann ich mein Portabelgerät selber füllen, und kann immer unterwegs sein. Ich werde trotzdem mit dem nötigen Sauerstoff versorgt. Seit vielen Jahren habe ich wieder rosafarbene Haut unter den Fingernägeln. Mein SPO2 Wert hat sich unter der 24 stündigen Sauerstoffversorgung bei 97-98 % eingependelt. Ich kann wieder mit meiner Frau durch "stickige" Kaufhäuser gehen, ohne das Gefühl einer Sauerstoffunterversorgung zu haben. Der 31 Liter Tank passt sogar in unser Auto. So können wir mal für 3-4 Tage einen Kurzurlaub machen. Der Tank muss natürlich senkrecht und gut befestigt im Auto befördert werden. Es ist einfach ein besseres Gefühl, wenn man gut mit Sauerstoff versorgt ist. Das allerbeste ist allerdings, dass ich sogar meinen heissgeliebten Roller unter Verwendung des portabelen Gerätes weiter benutzen kann.

... und jeder, der hinter mir herfährt sieht direkt, wem dieser Motorroller gehört.