Erstellungsdatum: 04/1997 letzte Änderung: 09/2002



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Mein Hobby: Sportschiessen !


Mukoviszidose-Patienten haben bekanntlicherweise große Luftprobleme und sollten trotzdem sportlich aktiv bleiben. Aufgrund der unterschiedlichen Leistungsfähigkeiten ist nicht jede Sportart für jeden Patienten ausführbar. Bei einem Kuraufenthalt im Jahre 1990 auf der Insel Amrum wurde mir vermittelt, daß sportliche Aktivitäten von großer Wichtigkeit seien. Wieder zu Hause angekommen, machte ich mir Gedanken darüber, welche Sportart ich ausüben könnte. Da ich nur einen FEV1 Wert von ca.1,2 Litern hatte, waren die Sportarten sehr eingeschränkt. Schon als Jugendlicher hatte ich mich für das Sportschiessen interessiert. Ich trat also in einen Sportschützenverein ein und begann erst vorsichtig mit dem Training.

Zuerst trainierte ich nur in der Diziplin Luftgewehr. Beim Verbandsarzt des Rheinischen Schuetzenbundes wurden meine ärztlichen Befunde gesichtet, was zur Folge hatte, daß ich in der Behindertenklasse schiessen durfte. Hierbei sind für den Schützen Hilfsmittel entsprechend der Behinderung zugelassen. In meinem Fall ist es eine "Pendelschlinge" aus einer 3mm starken Kordel, in die das Gewehr eingehangen wird. Dadurch brauche ich zur Ausübung des Sportes kaum Kraftaufwand. Man muss hierzu wissen, daß die Waffen bis zu 7,5 Kilogramm schwer sind. Sportschiessen ist, auch wenn man es kaum glauben kann, Hochleistungssport. Wettkämpfe in der Behindertenklasse dauern bis zu 75 Minuten. Hierbei wird höchste Konzentration gefordert. Für mich als Mukoviszidose-Patient ist aber die komplizierte Atemtechnik bei dieser Sportart das Allerwichtigste. Es wird eine gezielte Bauchatmung benötigt. Im eigentlichen Zielvorgang wird die Luft halb aus den Lungen abgelassen und es folgt die kurze Zeit des Luftanhaltens bis zur Schussabgabe. Diese Atemtechnik wiederholt sich in der Zeit des Wettkampfes immer wieder, und zwar von Schuss zu Schuss. Es ist zwar nur meine subjektive Meinung, aber ich kann sagen, daß mir diese Sportart sehr viel gebracht hat.

Zuerst habe ich ja nur trainiert. Nach kurzer Zeit wurden die Ergebnisse aber immer besser und ich beschloss, auch am Wettkampfsport teilzunehmen. Hier kam es am Anfang nur zu Rundenwettkaempfen (Mannschaft gegen Mannschaft). Im Laufe der Zeit nahm ich auch an Vereins-, Kreis-, Bezirks- und Landesmeisterschaften teil. In den letzten 6 Jahren war ich hierbei sehr erfolgreich und konnte insgesamt 56 Meistertitel, 5 Vizemeistertitel und 4 dritte Plaetze feiern. Die "Krönung" war allerdings 1993, 1995, 1996 und 1997 die Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften in München. Auch hier konnte ich gute Platzierungen erreichen. Dafür war natürlich tägliches Training erforderlich, was meiner Gesundheit alles andere als geschadet hat. Die Erfolge erzielte ich natürlich nicht nur in der Disziplin Luftgewehr, sonder auch in den Disziplinen Kleinkaliber 100 Meter und Zimmerstutzen 15 Meter, die im Laufe der Zeit hinzukamen.


So manches Edelmetall ziert nun meine Vitrine...









Wie in jeder Sportart hängt der Erfolg nicht nur vom Sportler allein ab. In meinem Verein erhalte ich jede Unterstützung, die ich für die Ausübung dieser Sportart brauche. Vorallem habe ich mir selbst bewiesen, dass auch ein an Mukoviszidose Erkrankter sportliche Höstleistung erbringen kann. Ich weis nicht, wie lange ich diesen Sport noch ausüben kann, da mein FEV1 Wert trotz optimaler Behandlung mittlerweile auf 0,87 Liter abgefallen ist. Übrigens: Zu meinen sportlichen Ausrüstungsgegenständen gehört auch öfters mein portables Sauerstoffgerät, an dessen Anblick sich die Sportkameraden längst gewöhnt haben. Sollte ich Ihr Interesse geweckt haben ? In fast jedem Ort gibt es Vereine, in denen man sich informieren kann. Darüber hinaus gibt es die Landessportverbände. Gerne stehe ich Ihnen aber auch persönlich für Informationen zur Verfügung. Die Telefonnummern entnehmen Sie bitte den "Persönlichen Informationen".

Das Sportjahr 1997 .......
....... mein letztes Sportjahr !!!

Schon zu Beginn des Sportjahres wurden mir die Trainingseinheiten und Ausscheidungswettkämpfe immer schwerer. Bei den Vereins- und Kreismeisterschaften war ich durch eine Lungenentzündung noch sehr geschwächt. Es reichte zwar noch so gerade zum Titelgewinn in allen drei Waffenarten, aber ich lernte hierbei meine gesundheitlichen Grenzen kennen. Bei den Bezirksmeisterschaften reichte die Kondition nur noch für 2 Meistertitel und einen 2. Platz. Die Qualifikationen zur Landesmeisterschaft waren aber trotzdem geschafft. Im Juni fuhr ich mit meiner Behinderten-Mannschaft zu den Landesmeisterschaften und damit zu den Ausscheidungswettkämpfen zur Deutschen Meisterschaft nach Bad Kreuznach. Zu unserer grössten Überraschung belegten wir mit der Mannschaft zwei dritte PlÄtze im Luftgewehr und KK-100-Meter Wettkampf. Die Freude war für mich umso grösser, da ich mich zum 6. und 7. Mal fuer die Deutschen Meisterschaften qualifiziert hatte.

Nun wurde fleissig trainiert. Die Hitze auf dem Schiesstand machte mir sehr schwer zu schaffen. Meine Ergebnisse waren nicht zufriedenstellend. Grosse Luftnot zeigte mir wiederholt meine Grenzen auf. Ich verlegte meine Trainingseinheiten in die frühen Morgenstunden. Die Ergebnisse wurden wieder besser.

Am 18. August hatte ich meinen 1. Start bei den Deutschen Meisterschaften in München in der Diziplin Zimmerstutzen. An dem Tag lief alles zu meinen Ungunsten. Die Temperaturen erreichten 30 Grad Celsius im Schatten. In den Morgenstunden hatte es noch in Strömen geregnet. Eine tropische Schwüle machte sich auf dem Olympiagelände breit. Meine Startzeit war Punkt 13.00 Uhr Mittag. Schon bei den Vorbereitungen in der Schiesshalle bekam ich sehr schlecht Luft. Ca. 100 Sportler und ca. 500 Zuschauer liessen mir nicht viel Sauerstoff über. Die Klimaanlage war nicht eingeschaltet. Durch den Sauerstoffmangel bekam ich einfach keine Ruhe in meinen Körper. Die erste 10er Serie verlief mit 92 von 100 möglichen Ringen noch sehr gut, und wäre die 2. und 3. Serie genauso gewesen, so hätte ich mir berechtigte Hoffnungen auf einen der ersten Plätze machen können. Die ersten zwei Schüsse der zweiten Serie landeten noch genau in der Mitte der Scheibe. Ich merkte aber wie meine Kraft und Konzentration total verschwand. Es gelang mir einfach nichts mehr. Nach diesem Wettkampf war ich körperlich völlig ausgepumpt. Von 49 Startern musste ich mich mit einem 35. Platz zufriedengeben. Es galt nun abzuschalten, um am nächsten Morgen um 8.00 Uhr beim 2. Wettkampf in der Disziplin KK-100- Meter anzutreten.

Schon gegen 5.00 Uhr/AM ging der Wecker. Ich machte im Hotelzimmer die Anwendungen. Um 6.00 Uhr/AM wurde ein leichtes Fruehstück eingenommen. Nun ging es mit dem Auto zum Schiesstand. Um 7.00 Uhr/AM war bereits die Waffenkontrolle. Danach kam die Vorbereitung, und um 8.00 Uhr/AM fiel mein erster Probeschuss. Die Luftbedingungen waren bei dem ersten Durchgang des Tages 100% o.k. So hatte ich keine Sauerstoffprobleme. Die Enttäuschung des Vortages verschwand von Schuß zu Schuß. 16 Schuß landeten genau in der Mitte der Scheibe (10 Ringe), 10 Schüsse verfehlten die 10 nur knapp und landeten in der 9 und 4 Schüsse kamen in 100 Meter Entfernung noch in der 8 an. So beendete ich diese Deutsche Meisterschaft mit 282 von 300 möglichen Ringen und einem 22. Platz ringgleich mit dem 20., 21. und 23. diesen Wettkampfes. Fuer dieses Ergebnis bekam ich die unten abgebildete Meisterschaftsnadel.

Mit diesem guten Ergebnis habe ich im August 1997 meine sportliche "Muko" Schützen-Laufbahn beendet. Ich habe in diesem Jahr gesehen was ein Mukoviszidose-Patient erreichen kann. Leider habe ich auch einsehen müssen, dass es Grenzen gibt. Diese Grenzen habe ich nun erreicht und meine Waffen werden nun von einem anderen behinderten Sportschützen benutzt. Ich hoffe erfolgreich . . . . .