Erstellungsdatum: 25/07/2006 letzte Änderung: 10/04/2007



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Marcus Plates erste i.V. mit 37 Jahren




Marcus Plate verstarb am 09.04.2007.

Meine erste i.V.-Therapie mit 37 Jahren !

Mein Name ist Marcus Plate, ich bin 37 Jahre alt, gelernter Kirchen-Orgelbauer, allerdings seit 1998 EU-berentet und arbeite heute als nebenberuflicher Kirchenmusiker in drei Pfarrgemeinden und weiter umliegenden Kirchengemeinden.

Das Dilemma begann im Spätherbst 2005. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich nur ganz selten Probleme mit meiner Lunge evtl. mal leichten Infekt wie z.B. Schnupfen etc. ansonsten keine größeren Probleme. Aus bisher unerfindlichen Gründen wurde ich plötzlich vom "Nie-Huster" zum "Dauerhuster". In meiner damaligen Ambulanz wurde dieses Thema schnell abgetan, ...sowas käme schon mal vor..." und man verschrieb mir ein orales Antibiotikum. Mit dieser Aussage gab ich mich erstmal zufrieden. Das Antibiotikum zeigte Wirkung, allerdings nur etwa zwei Wochen. Dann war es wieder da, das Dauer-Husten-Problem.

Dann kam im November der Termin für meine erste i.V.-Therapie, aber weitgefehlt, kurz nachdem mir meine Ambulanz-Ärztin die Braunüle (dauerhafter Venen-Zugang) gelegt hatte, zog mir der Stationsarzt kurze Zeit später wieder den Zugang mit der lapidaren Auskunft, "...das kriegen wir mit einem oralen Antibiotikum auch hin..." und so lag ich zum Tabletten schlucken stationär im Krankenhaus. Es wurden weitere Untersuchungen gemacht, die nichts mit dem Husten zu tun hatten. Ich dachte mir, das wird wohl alles seine Richtigkeit haben, denn in der Ambulanz sitzen ja die Fachleute. Ich freute mich, daß ich mich frei ohne Venenzugang bewegen konnte.

Nun kam aber die Weihnachtszeit und mein kirchenmusikalischer Terminkalender quoll über vor Terminen. Auch in dieser Zeit wurde es unter oraler Antibiotikagabe nur kurzfristig besser und nach Absetzung des Medikamentes trat meistens innerhalb von zwei bis drei Wochen der alte Zustand wieder ein.

Von meiner damaligen Ambulanz wurde ein neuer Termin für eine i.V.-Therapie festgesetzt, aber wer jetzt glaubt, nun würde die i.V.-Therapie kommen, dem sage ich: falsch geglaubt. Es war ähnlich wie beim ersten stationären i.V.-Aufenthalt. Das gleiche Spielchen ! Morgens Venenzugang gelegt, spät nachmittag wieder gezogen, mit der ähnlichen Auskunft, das man es mit Tablettengabe in den Griff bekäme. So lag ich zum zweiten Mal zum Tablettenschlucken im Krankenhaus, ohne daß weitere Untersuchungen in dieser Richtung unternommen wurden. Im Gegenteil, es wurden zwei Computer-Tomographien gemacht, zum Einen eine Knochendichtemessung und zum Anderen eine Darstellung der Bauchorgane (bestimmt sehr wichtig, aber was das mit meinem Husten zu tun haben soll, weiß ich bis heute nicht.) Als letzte Untersuchung wollte man sich noch meine Gallengänge anschauen. Diese Untersuchung mußte dann: "...wegen heftigen und dauerhaftem Husten des Patienten..." abgebrochen werden. Im Arztbrief las sich das dann folgendermaßen: "Der Patient arbeitete nicht mit, da er versuchte bewußt mit ständigem Husten die Untersuchung zu blockieren." Ich möchte mal wissen, wie man eine Untersuchung bewußt blockieren kann, wenn man mit einem Schlafmittel "abgeschossen" wird und im Tiefschlaf liegt. Noch mal zur Erinnerung: Wegen meines Hustens lag ich stationär dort.

Die letzten Tage in dieser namhaften Ambulanz sind schnell erzählt. Als man nun mal endlich ein Röntgenbild meiner Lunge betrachtete, wurden die Ambulanzärzte wach. Und man machte mir einen stillen Vorwurf "...Mensch, sie sind ja voll (Schleim) bis oben hin..." worauf mir lautstark der Kragen platzte und ich erwiderte: "Was glauben sie warum ich schon zweimal stationär hier lag und nichts weiter als Tabletten bekam, anstatt der verordneten i.V." Lange Rede, kurzer Sinn, ich bekam wieder ein orales Antibiotikum, allerdings in höchster Dosierung und mußte vier Wochen lang, einmal die Woche zur Lungenfunktion in die Ambulanz. Aber wie schon mehrfach erwähnt, die Wirkung hielt nur wenige Wochen an. Und so quälte ich mich durch den Sommer. Inzwischen war der Husten so stark geworden, daß ich des öfteren mein Orgelspiel während der heftigen Hustenattacken unterbrechen oder gar abbrechen mußte. Orgelkonzerte solo oder mit anderen Musikern waren in dieser Zeit unmöglich zu spielen.

Also von dieser Ambulanz, die mich bis dato zehn (!) Jahre gut betreut hatte, wollte ich nichts mehr wissen. So fing ich an nach einer neuen Erwachsenen-Ambulanz zu suchen und landete nach einigen Telefonaten in der Erwachsenen-Ambulanz der Ruhrlandklinik. Beim ersten Ambulanztermin kam dann auch die Frage nach dem Datum der ersten i.V.-Therapie auf den Tisch. Als ich erwähnte noch keine i.V.-Therapie gemacht zu haben, zeigte sich fast ungläubiges Erstaunen auf dem Gesicht der Ambulanzärztin und ich mußte meine Antwort nochmals bekräftigen, noch keine i.V.-Therapie gemacht zu haben. Im weiteren Gesprächsverlauf riet sie mir, diese aber mal in absehbarer Zukunft ins Auge zu fassen. Vierzehn Tage vor Weihnachten war es dann so weit. Ich mußte peinlicherweise ein vorweihnachtliches Orgelkonzert nach dem zweiten Stück abbrechen, weil ich mich an dem großen Spieltisch kaum noch bewegen konnte, ohne erneut von schmerzhaften Hustenkrämpfen geschüttelt zu werden. In der nächsten Woche hab ich mich dann in der Ambulanz vorgestellt und man wollte mich sofort zur i.V.-Therapie dort behalten. Da ich aber sehr pflichtbewußt bin, wollte ich tatsächlich noch das kommende Wochenende meine kirchenmusikalischen Dienste durchziehen, worauf mir die Ärztin lächelnd sagt: "...das schaffen sie nicht mehr...in ihrem Zustand halten sie das bis Montag nicht durch." Wie Recht sie hatte zeigte sich einen Tag später. Auf Anraten eines guten und mir sehr liebgewordenen Freundes (ebenfalls CF-ler, allerdings ein paar Jährchen älter und wesentlich erfahrener als ich) und eines mir ebenfalls sehr lieb gewordenen Freundes (gleichaltrig aber auch in vielen Dingen wesentlich erfahrener als ich) sagte ich alle Termine ab und bekam am Freitagnachmittag meine erste i.V.-Infusionsflasche "angestöpselt". In keinem Krankenhaus hab ich mich so gut und kompetent aufgehoben gefühlt, als auf der Muko-Station der Ruhrland-Klinik. Die weitere i.V. verlief unter den allgemein bekannten Nebenwirkungen relativ "normal" und ich führte sie nach 7 Tagen stationär als Heim-i.V. zu Ende. Bereits kurze Zeit nach dem Abklingen der Nachwirkungen trat eine deutliche Verbesserung ein. Zum ersten Mal trat der Husten nur noch gelegentlich auf und bisweilen konnte ich ihn sogar durch ein Räuspern ersetzen.

Wenn ich heute darüber nachdenke, was mir geholfen hat so muß ich sagen, neben der i.V. der Rat meiner Freunde, die Kompetenz und die ausgesprochene Freundlichkeit der Ärzte und des Pflegepersonals auf der Muko-Station der Ruhrlandklinik, darüber hinaus die Rücksichtnahme meiner Familie und meiner Arbeitgeber.

Euer Marcus Plate

Eine kleine Anmerkung noch:

Die Vorfälle der Tablettengabe anstatt einer I.V.-Therapie in den ersten zwei stationären Aufenthalten, wie ich sie beschrieben habe, sind "hinter dem Rücken", d.h. ohne Wissen der damaligen Ambulanzärztin passiert. Leider blieben diese Vorfälle auch ohne Konsequenzen für die zwei beteiligten Stationsärzte.