Erstellungsdatum: 03/03/2004 letzte Änderung: 14/04/2004



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Eine schmerzhafte Erfahrung: Gürtelrose (Herpes-Zoster-Infektion) nach LTX



Hallo liebe Leser,

wie schon in mehreren Berichten nach meiner Doppellungentransplantation erwähnt, müssen lungentransplantierte Patienten unter vielen anderen Medikamenten auch Sempera zur Pilzprophylaxe und Acic zur Herpesprophylaxe einnehmen. Beide Medikamente darf ich aber auf Grund meiner schlechten Leber- und Nierenwerte nicht einnehmen. So bin ich durch meine geminderte Immunsuppression besonders gefährdet. Erst vor einigen Wochen erwischte mich ein Hautpilz, den ich über Wochen mit Batrafencreme und kurzzeitigem Einsatz von Sempera (unter ständiger Blutkontrolle der Leberwerte) behandeln mußte.

Nun machte ich erneut eine sehr unangenehme Erfahrung, die ich Euch nicht vorenthalten möchte. Vielleicht kommt Ihr mal in eine ähnliche Situation, und ihr habt dadurch bereits einen Hinweis, um Euer mögliches Problem schneller erkennen zu können.

Hier zuerst eine kurze Vorgeschichte:

Seit ca 5 Wochen habe ich meine Ernährung vollkommen auf eine eiweißarme Ernährung zum Schutz meiner Nieren umgestellt. Ich ernähre mich nun fast fleischlos und sehr fettarm. Am Anfang fiel es mir sehr schwer, aber es wurde durch ein verbessertes Wohlbefinden für mich immer einfacher. Ich fühle mich von Tag zu Tag fitter und habe in den 5 Wochen über 7 Kilogramm abgespeckt (ich hatte nach der DLTX einfach zu viel zugelegt) ! Schon nach drei Wochen hatte ich meinen Harnstoffwert, der schon über 80 lag, mehr als halbiert. Nach fast 1 1/2 Jahren war er zum ersten Mal mit 36 wieder im Normbereich. Leider ist der wichtige Creatinin-Wert immer noch viel zu hoch, und mein Nephrologe denkt immer noch an die Umstellung meiner Immunsuppressionsmedikamente. Gestern bekam ich wieder meine Blutwerte und auch der Harnsäurewert lag nun mit 5,6 zum 1. Mal seit langer Zeit im Normbereich. Ausserdem verbesserten sich meine Leberwerte zusehend. Ich hatte sogar meine Trainingseinheiten auf dem Ergometer verdoppelt, und absolvierte nun wieder täglich mein Ausdauertraining ohne Schwierigkeiten. Dies ist nun unter der neuen Attacke meines Körpers nur unter Schmerzen möglich.

Hier aber nun mein eigentliches Problem:

Anfang vergangener Woche spürte ich nach meinem Training, daß ich kein Gefühl mehr in der rechten äußeren Gesäßhälfte (bis zum Oberschenkel) hatte. Ich dachte, daß ich mir beim Training vielleicht eine kleine Ischialgie zugezogen hatte. In den ersten drei Tagen traten aber keine Schmerzen auf, was sehr ungewöhnlich erschien. Am 4. Tag bildeten sich leichte Rötungen in der rechten Leiste, am Oberschenkel und auf der rechten Bauchseite. Freitags wurden die Hautpartien immer farbintensiver und es bildeten sich kleine Bläschen, die Samstag und Sonntag zu größeren Blasen wurden.


Schon nach kurzer Recherche im Internet festigte sich "meine und Annes Diagnose" Gürtelrose. In der Nacht auf Montag kamen starke Schmerzen hinzu. Montag morgen fuhren wir sofort zu meinem Hausarzt, der sehr erschrocken war. Nach einer kurzen Ansicht bestätigte er unseren Verdacht. Er sagte sofort: "Ich verschreibe Dir kein Acic, damit es Deine Nieren nicht noch mehr belastet. Du bekommst das neue Medikament Zostex, das nur einmal am Tag für 7 Tage einzunehmen ist."



Ich bestellte es in der Apotheke und es wurde gegen mittag dort angeliefert. Nachmittags sicherte ich die Verordnung von Zostex durch einen Anruf in der TX-Ambulanz ab. Man stimmte der Verordnung meines Hausarztes zu und bat, nach 4 Tagen eine erneute Blutkontrolle zwecks Cyclospiegelkontrolle einzusenden. Schon am 2. Tag ließen die Schmerzen nach und heute am 3. Tag der Medikamentengabe kann man die Schmerzen schon mit weniger Schmerzmittel aushalten. Die oben auf den Bildern zu sehenden Stellen werden bereits dunkler und beginnen abzuheilen. Eine frühe Behandlung (möglichst innerhalb von 72 Stunden nach Blasenbildung) ist sehr wichtig, denn der Herpes-Zoster Virus kann auch auf die inneren Organe übergreifen. Dies wäre für die transplantierte Lunge schon sehr gefährlich und nicht zu unterschätzen. Ich hoffe, daß der "Spuk" bald wieder vorbei ist. Mein FEV1-Wert blieb in der ganzen Zeit stabil bei 4,75 Liter.

Wie genau erklärt sich die Gürtelrose bzw. die Herpes-Zoster Infektion ?

Gürtelrose: (Herpes zoster) ist eine Virusinfektion, die durch das gleiche Virus verursacht wird wie die Windpocken.



Bei Kindern verläuft die Erkrankung harmlos, mit zunehmendem Lebensalter wird sie aber immer gefährlicher. Bei alten Leuten ist die Gürtelrose langwierig und sehr schmerzhaft. Abgesehen vom Schmerz ist das wichtigste Symptom ein Hautausschlag. Trotzdem ist die Gürtelrose eine reine Nervenerkrankung. Das eindringende Virus befällt die Ganglien der Rückenmarksnerven (meist jener, die die Haut des Brustkorbs und der Lende versorgen) und oft auch den Gesichtsnerv (5.Hirnnerv). dadurch kann es zu Gefühlsstörungen der Hautpartien kommen. Die Hautveränderungen entstehen im Versorgungsgebiet der erkrankten Nerven und zeigen sich als eine Anzahl kleiner Bläschen auf gerötetem Grund. An jeder Stelle des Körpers können sie erscheinen, normalerweise jedoch am seitlichen Brustkorb oder im Gesicht. Es gibt immer noch den alten Aberglauben, daß der Patient sterben muß, wenn die befallenen Hautbezirke den Brustkorb völlig umschließen. Das ist Unsinn ! Manchmal sind die kleinen Bläschen so zahlreich, daß sie zu größeren Blasen zusammenfließen. Bei der Abheilung entstehen an diesen Stellen Narben. Normalerweise verschwinden die Bläschen jedoch nach 2 bis 4 Wochen spurlos, wenn sorgfältig auf die Sauberkeit der Haut geachtet wird. Alte Menschen leiden aber noch wochen- oder monatelang nach der Abheilung des Ausschlages unter starken Nervenschmerzen. Schmerzlindernde Mittel lassen das Leiden erträglicher machen.


So liebe Leser, und schon wieder konnte ich eine neue Erfahrung machen, auch wenn dies nicht unbedingt mein Wunsch war! Euch wünsche ich, daß diese Erkrankung an Euch vorüber geht.

Alles Gute

Euer Udo Grün, der nun auf das völlige Abheilen wartet.



PS: Nach gut 2 Wochen trockneten die Stellen gänzlich ab und die Schmerzen ließen nach. Der Körper "bäumte" sich zwar noch einmal mit einem Fieberschub (über 40 Grad) am Ende auf, aber nach 3 Tagen ging alles wieder seinen Lauf. Heute war ich in der Uni Düsseldorf und habe mich vor unserem Flug nach Rom noch einmal durchchecken lassen.

Hier gab es folgende Werte:

VC der Lunge sage und schreibe 5,72 Liter = 116 %
FEV1 lag mit 4,76 Liter bei 125.3 %
Der O2-Partialdruck lag bei 87,10 % = 111,8 %
Die O2 Sättigung lag bei 98,2 % ... mein Oberarzt und ich waren sehr zufrieden.
Wären nur meine Nieren und Leberwerte so gut........



Euer Udo Grün