Erstellungsdatum: 14/01/2008 letzte Änderung: --/----



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Wirkungsweise eines Generika bei Mukoviszidose



Guten Tag liebe Leser. Ich möchte Sie heute auf ein Problem aufmerksam machen, das ich am eigenen Leibe erfahren habe.

Wer kennt es nicht, man bekommt ein Rezept und geht in die Apotheke. Dort schüttelt der Apotheker oder die Apothekerin mit dem Kopf und sagt: "Das kann ich Ihnen nicht mehr geben! Ihre Krankenkasse hat einen Liefervertrag mit einem Hersteller abgeschlossen, der dieses Medikament als Generika herstellt. Sie brauchen keine Bedenken zu haben, denn es ist genauso zusammengesetzt wie das Orginalmedikament. Es ist aber viel preiswerter, und so kann Ihre Krankenkasse auf Dauer viel Geld einsparen." Also nimmt man das Medikament und hofft, dass es wirklich genauso wirkt wie das Orginalmedikament. Das zur Einführung und nun zur konkreten Problem.

Mukoviszidose Patienten haben einen anderen Stoffwechsel als normale gesunde Menschen. Deshalb wurde mir bei meinem Transplantationsgespräch vor über 6 Jahren schon gesagt, das es sein könnte, dass es vereinzelt Probleme mit der Spiegelbildung des Medikament Sandimmun im Blut geben kann. Sandimmun ist eins der wichtigsten Medikamente nach einer Transplantation, um die Organabstossung zu unterdrücken. Es kann also vorkommen, daß sich kein richtiger Spiegel im Blut aufbaut. Mir wurde aber auch gesagt, dass es in diesen Fall ein Hilfsmittel gibt, das dies verhindert und den Spiegel anhebt. Hierbei handelt es sich um das Herzmedikament Dilzem retard 120 mG. Als ich auf die Normalstation nach meiner Transplantation verlegt wurde und in die Medikamentengabe eingewiesen wurde, stand schnell fest, daß sich bei mir auf Grund meines veränderten Stoffwechsels kein richtiger Sandimmunspiegel im Blut aufbaute. Also bekam ich 2 mal am Tage eine Tablette des Präperates Dilzem retard 120 mG. Es funktionierte und mein Spiegel im Blut stieg an. So war mein neues Organ vor Abstossung geschützt. Über 5 Jahre nehme ich nun dieses Medikament und mein Spiegel war sehr stabil.

Vor einigen Wochen ging es mir so, wie im ersten Absatz beschrieben. Ich bekam ein Rezept und in der Apotheke händigte man mir statt Dilzem retard 120 mG das Generika Diltiazem AL 120 retard aus. Ich sortierte es in meine Tablettendosen ein und vertraute der Aussage, das es vollkommen gleich zusammengesetzt sei. Ich nahm es wie gewohnt morgens und abends ein, damit mein Sandimmunspiegel gleichbleibend hoch in meinem Blut bleibt. Nach ca. 2 Wochen schickte ich wie einmal im Monat gewöhnt mein Blut zur Kontrolle nach Hannover ein. Zwei Tage später kam ein Anruf der Ambulanz: "Herr Grün, was machen sie denn ??? Ihr Sandimmunspiegel ist von 120 auf 198 angestiegen ! Da stimmt was nicht, nehmen Sie ab heute 20 mG weniger Sandimmun ein." Gesagt getan, und nach 2 Wochen erneut Blut nach Hannover eingeschickt. Der Spiegel lag nun wieder im angemessenen Rahmen bei 120.

Wie konnte das passieren ??? Ich hatte einen Verdacht und schilderte ihn der Ambulanzärztin. "Da können sie Recht haben Herr Grün, wir halten das im Auge!" Was war mir aufgefallen ? Es war die Art der Herstellung der Tablette ! Das orginal Präperat Dilzem retard 120 mG besteht aus einer normalen Tablette. Das Generika Diltiazem AL 120 retard aus einer Kapsel gefüllt mit vielen kleinen Kügelchen, in denen der Wirkstoff enthalten ist. Hier ein Foto, der unterschiedlichen Darreichungsformen:



Ich habe sofort vermutet, daß es mit der Darreichungsform zu tun hat. Da der Stoffwechsel bei einem Mukoviszidose Patienten anders ist als bei einem gesunden Menschen, wird wahrscheinlich der Wirkstoff in den vielen kleinen Kügelchen viel besser und schneller verstoffwechselt als die orginal Tablette. Im November habe ich meine Ärztin in der TX-Ambulanz in Hannover noch einmal gezielt darauf angesprochen. Sie hat mir sofort zu verstehen gegeben, das ich mit meiner Vermutung wohl recht habe, da in der Zwischenzeit genau die gleiche Wirkungsweise bei 4-5 anderen Patienten mit der Grunderkrankung Mukoviszidose festgestellt wurde.

Ich möchte mit meiner Beobachtung keine Generikas schlecht machen. Sie wirken sehr gut, nur manchmal etwas anders. In meinem Fall hoben sie den Spiegel höher an, als das orginal Medikament. Ein zu hoher Sandimmunspiegel im Blut ist nicht gut für meine schon genug geschädigten Nieren. Aber was wäre gewesen wenn der Spiegel gesunken wäre ????? Ich möchte gar nicht daran denken.

Damit nachfolgende TX-Patienten gewappnet sind, zeichne ich hier meine Erfahrungen auf und gebe sie einem breiten Publikum preis. Bleibt gesund und haltet Euch fit.

Liebe Grüße
Euer
Udo Grün