Erstellungsdatum: 08/1998 letzte Änderung: 01/1999



Gehe zurück zur Hauptseite:
WWW.MUKOLAND.DE


Der Bericht entstand aufgrund eines Besuches bei meinem Freund Frank-Peter Blechschmidt in Sesslach. Frank-Peter verstarb am 31.01.1999. Zur Erinnerung an einen lieben Freund bleibt dieser Bericht in meiner Homepage. Ich werde ihn nicht vergessen.

Mukoland berichtet ueber einen Besuch bei Frank Peter Blechschmidt in Oberelldorf

Frank-Peter Blechschmidt

Durch die Mailingliste und den Chat sind "Entfernungen" zwischen den einzelnen Betroffenen erheblich geschrumpft. Fuer mich ist es ein ganz neues Gefuehl, mich mit anderen Patienten auszutauschen. Im letzten Jahr kamen auch viele telefonische Kontakte hinzu. Mit einigen telefoniere ich regelmaessig, manchmal sogar auch mehrmals woechentlich. Die Kontakte werden immer haeufiger und man moechte sich auch einmal persoenlich kennenlernen. Dies ist nun in der letzten Augustwoche passiert.

Frank-Peter Blechschmidt (21 Jahre) aus Oberelldorf (Sesslach, Franken) schickte mir ein Päckchen. Darin fand ich Informationsmaterial seiner Heimatgemeinde Sesslach. Meiner Frau und mir gefiel dieser Ort so gut, dass wir kurzentschlossen anriefen und ein Zimmer buchten. Nun noch kurz Frank-Peter informiert und 2 Tage spaeter waren wir auf der Autobahn. Die Reise ging von Wuppertal ueber Kassel, Fulda, durch die Rhoen nach Sesslach.

Als wir in Sesslach ankamen, schien die Sonne und der Himmel zeigte ein gleichmaessiges Blau. Sesslach selbst wird umrahmt von einer durchgehenden Stadtmauer. Durch drei Tuerme und deren grossen Tore gelangt man ins "Mittelalter". Herrliche Fachwerkhaeuser und eine eindrucksvoll gestaltete Kirche erfreuen die Besucher.

Nachdem wir unser Zimmer bezogen hatten, fuhren wir zu Frank-Peter und seiner Mutter Uschi. Frank -Peter hatte mir genau den Weg beschrieben und es konnte nichts mehr schief gehen. In der Senke von Oberelldorf links den Berg hinauf - bis auf die Anhoehe - rechts das rosa Haus mit der Sirene darauf und dem Brunnen davor. So hatte er mir es beschieben........ und wenn Du es nicht findest, dann mache ich die Sirene an !!!!!!
Also kurz gesagt, wir haben es auch ohne Sirene gefunden.

Frank-Peter wohnt mit seiner Mutter Uschi, 4 Katzen und einem sehr "boese" bellenden Hund im Feuerwehrhaus des Dorfes. . . . . . im Feuerwehrhaus ? Ja richtig im Feuerwehrhaus, denn Frank ist bei der freiwilligen Feuerwehr in Oberelldorf. Er kann zwar nicht bei einem Brandeinsatz in erster Reihe stehen (Muko bedingt), aber es gibt da ja auch noch andere Aufgaben. z.B. Schaulustige nicht an die Brandstelle lassen. Da hat er seine besonderen Mittel.....

Ausser der Feuerwehr hat Frank aber auch noch mehrere andere Hobbys. Da er gesundheitsbedingt nicht berufstaetig sein kann, ist er in anderen Gebieten aktiv. So gehoert natuerlich der Computer und der Internetanschluss dazu. Ausserdem ist Amateurfunk seine Welt. Zur Zeit bereitet er sich auf die Amateurfunklizenz Prüfung vor. Bis dahin unterhaelt er sich mit seinen Freunden per CB-Funk. Auf seinem Schreibtisch steht bereits ein grosser Kurzwellenempfaenger und im Garten die dazugehoerige Antenne.

Frank hatte nach der Schule eine Lehre als techn.Zeichner angefangen. Grosse Fehlzeiten machten ihm einen Strich durch die Rechnung. Er ist nicht arbeitsfaehig. Alle 3 Monate geht er in die Münchener Klinik, da er transplantiert werden moechte. Obwohl seine Luftprobleme enorm sind, habe ich ihn in den Tagen immer nur froehlich und gut gelaunt gesehen.

Am ersten Tag haben wir die beiden Nachmittags fuer 2 Stuendchen besucht. und einen Termin fuer einen Ausflug ausgemacht. Frank wollte uns seine Heimat zeigen. Also fuhren wir (Frank, Uschi, meine Frau Annemarie und ich) am übernaechsten Tag zunaechst nach Coburg. Frank zeigte uns wie auf dem Marktplatz die beruehmten Coburger Bratwuerstchen auf Kiefernzapfen gegrillt werden.

Als nicht Einheimischer musste man Angst haben, dass die Huetten abbrennen. Es qualmte und brannte sehr sehr stark. Aber wir brauchten ja keine Angst zu haben, denn wir hatten ja einen Feuerwehrmann dabei. Es folgte ein kurzer Fussweg durch die Altstadt zum Stadttheater. Ueber der Stadt war schon das Coburger Schloss zu sehen. Vom Marktplatz aus fuhren wir mit einer Eisenbahn (ohne Schienen) hinauf zum Schloss. Am oberen Parkplatz begann der Aufstieg zum Schloss. Wir waren froh oben angekommen zu sein, und setzten uns erst mal kurz auf eine Bank.

Frank wurde schnell wieder munter, als er die Statue im Schlossgarten endeckte.

Anschliessend ging es noch ein paar Stufen hoeher, wo wir den folgenden Ausblick geniessen konnten.

Auf dem gegenueberliegenden Berg gibt es auch einen Flughafen. Leider landete und startete kein Flugzeug in unserer Anwesenheit.

Nun ging es wieder zum Parkplatz, um den Zug in die Innenstadt zu besteigen. Nun ging es in rasender Fahrt ueber 13 Prozent Gefaelle in die Stadt Coburg zurueck. Wir waren froh, dass die Bremsen funktionierten. Da der Tag ja gerade "erst angefangen" hatte, ging es nun mit dem Auto zum naechsten Zielpunkt.

Nach einer dreiviertelstuendigen Fahrt sahen wir schon vom Tal her das Schloss Banz. In einem Gasthaus kehrten wir zu Mittag ein und genossen die fraenkische Kueche. Wir hatten von unserem Platz eine sehr gute Sicht auf Schloss Banz. Dieses Schloss hat eine sehr schoene Barockkirche aus dem 11 Jahrhundert. Es ist eine Benediktiner Abtei, in der auch ein erstklassiges Bier gebraut wird. Wir haben auch diese Kirche nach dem Essen besichtigt. Leider waren einige Gaenge abgesperrt und wir konnten nicht alles aus der Naehe betrachten. Frank bekam langsam "Uebung im Wandern" und so beschlossen wir noch einen 3. Punkt anzufahren.

Es ging im Auto (immer noch bei gutem Wetter) weiter zu den Vierzehn Heiligen. "Vierzehn Heiligen" ist eine prunkvolle Baraockkirche. Sie wurde von J.B. Neumann erbaut. Sie liegt genau gegenueber von Schloss Banz auf dem naechsten Berg und ist weithin sichtbar. Die Kirche liegt bei Staffelstein. Frank erklaerte uns, dass an dieser Stelle einem Hirten ein Kind in weissem Gewand mit rotem Kreuz sowie 14 Kinder in roten und weissen Gewaendern erschienen sind. Diese sprachen zu dem Hirten: "Wir sind Eure Nothelfer. Baue uns an dieser Stelle eine Kirche damit wir auf der Erde einen Platz zum ausruhen haben." J.B.Neumann ist dies in hoechster Vollendung gelungen. Eine helle und sehr beeindruckende Kirche zieht Jahr fuer Jahr viele tausend Pilger an. Sie ist erst vor wenigen Jahren aufwendig renoviert worden. Ein Franziskaner Orden bewohnt das Klostergebaeude neben der Kirche.

Nach einem anstrengendem aber auch sehr schoenen Tag kamen wir am spaeten Nachmittag wieder in Oberelldorf an. Uschi und ihr Sohn Frank Peter haben noch gegenseitig eine Uebereinkunft getroffen. Uschi raucht nicht mehr in der Wohnung, dafuer wird Frank Peter jeden Tag eine groessere Strecke zu Fuss zuruecklegen. Es war ein interessantes Treffen unter dem Motto:

"Muko" trifft "Muko"

Es wird bestimmt nicht das letzte Treffen gewesen sein. Das dachte ich damals. Heute ist mir klar, dass es das letzte Treffen mit Frank Peter war.

Udo & Annemarie Gruen