Erstellungsdatum: 14/02/2005 letzte Änderung: 17/02/2005



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3 Jahre FEV1 Messungen nach der DLTX


Liebe Mukoland-Besucher !

Am 29.03.2005 bin ich 3 Jahre doppellungentransplantiert. In dieser langen Zeit durfte ich erfahren, dass sich das Volumen meiner Lunge immer wieder in Stufen steigerte. Jeder Transplantierte muß täglich mit einem AM1 Messgerät von Jaeger seinen FEV1 Wert messen. Am Anfang morgens, mittags und abends. Auch ich habe es in den ersten 2 Jahren so gemacht und messe nun noch 2 mal täglich. Die FEV1 Messung ist für den Transplantierten und die behandelnden Ärzte ein wichtiges Hilfsmittel bei der Überwachung des Gesundheitszustandes. Ein Abfall des FEV1 Wertes kann ein Hinweis auf eine mögliche Abstoßung sein. Aber auch jeder Infekt spiegelte sich bei mir in den Messungen wieder. Hier sehen Sie zunächst das Messgerät von Jaeger.

Die Messungen selbst erfolgen wie bei der Lungenfunktionsmessung in der Ambulanz. Man holt tief Luft und bläst mit voller Kraft und in einem festen Stoss in die ca. 2 cm große Öffnung des Durchflussgebers. Im Durchflussgeber selbst dreht sich durch den Luftstrom angetrieben, ein sehr empfindliches Flügelrad. Diese Drehimpulse werden innerhalb des Gerätes mit einem Sensor aufgenommen und verarbeitet. Der FEV1-Wert wird in wenigen Sekunden digital angezeigt. Diese Messung muß man innerhalb von 3 Minuten dreimal wiederholen. Der beste Wert wird automatisch im Gerät gespeichert. Hier sehen Sie den ausgebauten Durchflussgeber und speziell in Nahaufnahme das verspiegelte Flügelrad des AM1 von Jaeger.


Da die Atemluft immer feucht ist, und auch schon mal ungewollt Sputum in das Messröhrchen gelangen kann, sollte der Durchflussgeber alle paar Tage gut gereinigt werden. Ich halte die Mundstücköffnung mit der flachen Hand zu und gebe ein paar Tropfen Spülmittel in die untere Öffnung. Dann fülle ich das Röhrchen mit lauwarmem Wasser. Ich halte nun die untere Seite auch mit der flachen Hand zu und schüttele die Flüssigkeit im Durchflussgeber hin und her. Dadurch wird der Duchflussgeber gereinigt. Anschließend spühle ich den Durchflussgeber unter fließendem warmen Wasser gut aus. Man trocknet ihn mit dem kalten Luftstrom eines Föhnes. Ich habe festgestellt, daß sich schlechtere Messwerte ergeben, wenn nicht regelmässige Reinigungsarbeiten gemacht werden.


Der Durchflussgeber sollte maximal ein halbes Jahr benutzt werden. Nach ca. einem halben Jahr zeigte mein AM1 immer geringere Messwerte. Zuerst dachte ich, daß es an mir lag. Da ich aber keinen Infekt hatte, konnte es eigentlich nicht sein. So bestellte ich bei meinem Sanitätshaus neue Durchflussgeber. Sie werden mit einem Rezept bestellt und waren innerhalb weniger Tage lieferbar. Von der Firma Jaeger gibt es sie immer direkt im Dreierpack. Hier sehen Sie ein Foto der "Triple V Sensoren".


Ich rate Ihnen aus eigener Erfahrung. Reinigen Sie Ihren Durchflussgeber alle 3-4 Tage. Es dauert nur wenige Sekunden, aber die Messungen sind dadurch genauer. Tauschen sie die Sensoren mindestens alle 6 Monate gegen einen neuen Orginal Jaeger Durchflussgeber aus. Dadurch ist eine kontinuierliche genaue Messung Ihres FEV1 Wertes gewährleistet.

Die nun folgenden Ergebnisse spiegeln den Verlauf und Anstieg meines FEV1 Wertes innerhalb der ersten drei Jahre meiner Doppellungentransplantation wieder. Ich habe von meiner Rückkehr aus der TX Klinik darüber genau Buch geführt, und bringe Ihnen hier nun meinen Erfahrungsbericht. Die ersten heimatlichen Messungen ergaben einen FEV1 Wert von knapp 3 Liter. Dieser Wert stieg aber schon nach wenigen Tagen an. Schon im zweiten Monat erreichten einige Messungen einen Wert von über 4 Liter. Diese Messungen schwankten aber noch sehr, da ich in der Anfangszeit auch noch einen CMV-Keim bekämpfen mußte. Meine Freude über derartig hohe Messungen war natürlich sehr groß, bedenkt man doch, daß ich vor der DLTX einen maximalen Wert von knapp 1 Liter hatte. Hier nun die FEV1 Werte der ersten drei Monate.




Ich konnte nun im weiteren Verlauf unter täglichem Ergometertraining einen stetigen Anstieg meines FEV1 Wertes verzeichnen. Schon nach einem halben Jahr lag der FEV1 Wert bei einem konstanten Verlauf zwischen 4,25 und 4,50 Liter. Hier nun der Verlauf des Monats September 2002.


Auch in der MHH wurden bei den Kontrolluntersuchungen immer Steigerungen bei den FEV1 Messungen bestätigt. Das konstante Ergometer-Training zeigte bei mir seine Wirkung. Im Monat Juni 2003 überschritt ich wieder eine Stufe, und meine Messungen lagen nun zwischen 4,50 und 4,75 Liter. Unglaubliche Werte von jemanden, der vor der DLTX nur noch mit Sauerstoffunterstützung leben konnte. Wiederrum an dieser Stelle der Verlauf des Monats Juni 2003.


Wie eben schon einmal kurz erklärt, zeigt der FEV1 Wert bei mir auch direkt jede körperliche Beeinträchtigung an. Im Oktober 2003 ist ein Infekt in meiner FEV1 Kurve deutlich ersichtlich. Hier ist auch der rasche Anstieg des Wertes nach Infektionsende zu sehen. Es folgt die FEV1 Kurve des Monats Oktober 2003.


Im Juni 2004 überschritt ich wieder die nächste Stufe bei meinen Messungen. Die FEV1 Werte lagen nun konstant zwischen 4,75 und 5,00 Liter. Für Anne und mich war es schon fast "beängstigend", wie sich die Messkurve entwickelte. Wie weit wird der FEV1 Wert ansteigen ? Welche Werte werde ich noch erreichen ?? Kann sich meine neue Lunge immer noch weiter entwickeln ???


Ja sie kann ! Es ist schier unglaublich, aber wahr. Im Dezember folgte die nächste Stufe. Die FEV1 Werte gingen bis auf 5,25 Liter. Zwar fiel der Wert Ende Dezember kurz durch einen Infekt, stiegen aber im Januar direkt wieder an. Die Meßwerte blieben konstant zwischen 5,00 und 5,27 Liter und halten auch noch im Monat Februar 2005. Hier auch für Sie die FEV1 Kurven der Monate Dezember 2004 bis Februar 2005.




Sie sehen liebe Leser, daß die Entwicklung des FEV1 Wertes nach einer Lungentransplantation eine sehr spannende Sache ist. Er zeigt den Zustand der neuen Lunge und ihre Steigerungsfähigkeit. Er zeigt aber auch jeden "Angriff" auf den Körper und damit auf die Gesundheit des Patienten. Ich werde meine Messungen intensiv weiterführen um meine Leistungssteigerung zu dokumentieren. Leider ist so eine Leistungssteigerung nicht bei jedem Patienten zu beobachten. Die oben genannten Zahlen beziehen sich nur auf meinen eigenen Verlauf nach meiner DLTX. Vielleicht fällt dieser Wert auch irgendwann wieder ab. Ich hoffe nicht so bald, denn Anne und ich haben noch viel vor. Passt gut auf Euch auf und bleibt gesund !


Euer Udo Grün