Erstellungsdatum: 10/09/2002 letzte Änderung: --/--/2002



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Ergometertraining nach meiner DLTX

"Sport ist alles andere als Mord"

Sport nach der DLTX ist genauso wichtig wie sportliche Aktivität vor der DLTX

Da ich ja ein Verfechter der Sport-Idee bin, möchte ich Euch heute über mein Ergometertraining berichten. Direkt nach der Transplantation wird man in der MHH nach Verlegung auf die Normalstation auf ein Ergometer gesetzt. Man soll möglichst bald wieder einen guten körperlichen Allgemeinzustand haben, ja man soll schnell wieder körperlich "fit" werden. Deshalb erhält man auch ein Rezept über einen Fahrradergometer. Den bezahlen die Krankenkassen zwar nicht gerne, aber die meisten Krankenkassen zahlen ihn dann doch. Ich mußte bei meiner BEK einen Eigenanteil von knapp 200 Euro leisten. Direkt nach der Entlassung bekam ich von Dr. Wolfgang Gruber einen Trainingsplan zugeschickt. Dr. Gruber ist mir persönlich bekannt, da er in der CF-Fachklinik "Satteldüne" auf Amrum für die sportliche Fitness der CF-Patienten verantwortlich ist. In den ersten Wochen habe ich nach seinem Plan trainiert. Hierzu benutzte ich meinen boso "ergofit 160" Ergometer.


Bei meinem vorletzten Ambulanztermin in der MHH bekam ich das Angebot, an einer Sportstudie teilzunehmen. Hierbei werden Transplantierte über 3 Jahre sportmedizinisch untersucht und bei ihrem Training begleitet. Im Juli war es dann soweit, ich wurde zum ersten Mal auf dem Ergometer durchgecheckt. Zuerst wurden die normalen Ambulanz-Untersuchungen gemacht. Danach wurde der erste Ergotest durchgeführt. Ich wurde bei diesem Test schon an den Rand der absoluten Leistungsfähigkeit herangeführt. Ich werde den Test mal als Laie beschreiben....

Nachdem ich mein Sportzeug angezogen und auf dem Ergometer Platz genommen hatte, wurde ich zu allererst "verkabelt". EKG, Blutdruck und Blutgassättigung wurden kontinuierlich überwacht. Leider hat man bei dem Test auch eine Mund- und Nasenmaske auf, die die Angelegenheit schon ganz schön erschweren. Mein Test wurde von 3 Personen betreut.

In der Aufwärmphase mußte ich 5 Minuten bei 20 Watt auf dem Ergometer bei ca. 65 Umdrehungen "radeln". Im Anschluß ging es 1 Minute weiter bei 30 Watt. Nun kam es zu kontinuierlichen Stufensteigerungen von 10 Watt je Minute bis zu dem Punkt, an dem ich meine scheinbare Leistungsfähigkeit erreicht hatte. Ich spürte schon eine ziemliche Erschöpfung. Bei dem ganzen Test soll die optimale Leistungsfähigkeit des Patienten ermittelt werden. Dann ging der Test wieder im Minutentakt in 10 Watt- Stufen rückwärts. Bei 20 Watt angekommen, durfte ich noch 2 Minuten "ausradeln". Während dieser "Sportstunde" wird man zur Blutentnahme unzählige Male ins Ohr gestochen.


Es folgte nun eine 3 stündige Pause !


In dieser Zeit füllte ich einen sehr umfangreichen Fragebogen aus. Er enthielt unzählige Fragen zu meiner physichen und psychischen Verfassung. Im Anschluß wurde noch einmal ein Belastungstest in ähnlicher, aber kürzerer und nicht mehr ganz so anstrengender Form durchgeführt. Herzfrequenz bzw. EKG wurden bei den Test´s kontinuierlich gemessen, ebenso die Sauerstoffsättigung.

Ergebnis des ersten Test´s ist nun, daß ich auf meinem Ergometer alle 2 Tage trainieren soll. Hierbei kommt es nicht auf Höchstleistung sondern Ausdauer an.


Die Trainingsvorgaben sind:


5 Minuten Aufwärmphase bei 25 Watt, dann 20 Minuten bei 35 Watt. In den darauf folgenden letzten 5 Minuten soll ich bei 25 Watt wieder entspannt "ausradeln". Das ganze Training soll bei 65 "Umdrehungen" absolviert werden, was aber nicht immer so einfach einzuhalten ist, da ich ungewollt immer schneller werde.

In einem halben Jahr ist der nächste Check in der MHH. Man will mit dieser Studie herausbekommen, wie sich das regelmäßige Training auf den Transplantierten auswirkt.

Damit Ihr seht, wie sich die Meßwerte während einer Trainigsphase verhalten, habe ich ein Training mit Fotos und Werten dokumentiert:


Zu Beginn der Trainingseinheit hatte ich folgende Werte gemessen:
Blutdruck: 134/82
SPO²-Wert: 97 %
Puls: 98


Ergebnisse nach 5 Minuten:


Blutdruck: 148/95
SPO²-Wert: 98 %
Puls: 107


Ergebnisse nach 10 Minuten:


Blutdruck: 135/84
SPO²-Wert: 99 %
Puls: 118


Ergebnisse nach 15 Minuten:


Blutdruck: 158/83
SPO²-Wert: 98 %
Puls: 119


Ergebnisse nach 20 Minuten:


Blutdruck: 156/86
SPO²-Wert: 98 %
Puls: 123


Ergebnisse nach 25 Minuten:


Blutdruck: 151/90
SPO²-Wert: 98 %
Puls: 122


Ergebnisse nach 30 Minuten:


Blutdruck: 138/93
SPO²-Wert: 98 %
Puls: 119


Ich mache das Ergometer-Training jeden 2. Tag. Ich schaffe es ohne Probleme, und fühle mich hinterher richtig fit und überhaupt nicht erschöpft. Ihr seht zuerst eine leichte Steigerung des Blutdruckes und der Pulsfrequenz. Mein SPO²-Wert stieg sogar nach 10 Minuten auf 99%, ging dann auf 98% zurück und blieb konstant. Die anderen 2 Werte blieben auch fast gleich, um dann in der Erholungsphase niedriger zu werden. Ich habe lediglich mit der Umdrehungszahl zu kämpfen, da ich im Laufe des Training´s automatisch versuche, schneller zu treten. Irgendwann wird das wohl mein inneres "ICH" auch noch hinbekommen ;o). Nun habt Ihr einen kleinen Einblick in mein Ergo-Training erhalten. Ich merke eine ständige Steigerung meiner körperlichen Leistungsfähigkeit. Vielleicht habt Ihr nun auch Lust auf Sport bekommen......???

Euer Udo Grün