Erstellungsdatum: 07/2000 letzte Änderung: --/----



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Das erste Mal...

Es war einmal ein alternder Mukopatient, der sich eigentlich immer noch einigermassen fit und sportlich fühlte. Im letzten Jahr machte ihm seine Krankheit immer häufiger Probleme. Mindestens alle 3 Monate musste er eine i.V. machen um seinen Gesundheitszustand zu stabilisieren. Vor einem halben Jahr, er hatte seine i.V. gerade beendet, ging es 3 Wochen später erneut los und eine 2. i.V. musste nachgeschoben werden. Genau in diesem letzten Jahr merkte er, wie sich sein Körper verändert. Er, der noch bis vor 2 Jahren täglich trainierte und bei 7 Deutschen Meisterschaften mitschoss, er, der im letzten Jahr sogar die Halbmarathonstrecke mit dem Kickboard in einer Stunde schaffte, hatte aufeinmal Probleme eine Treppe zu steigen. Sein PO2 Wert pendelte sich zwischen 55 und 59 Prozent ein. Schon seit vielen Jahren machte er eine Sauerstofflangzeittherapie. Abend´s ans Sauerstoffgeraet anschliessen und morgens "frisch" aufwachen. Damit konnte er gut leben. Er konnte auch damit gut leben, dass er sich auch tagsueber sein Gerät einschaltete, wenn es ihm nicht so gut ging. Ja, er konnte auch damit gut leben, wenn es bei einem akuten Infekt Tag und Nacht angeschaltet war, und die Sauerstoffbrille in seinem Gesicht hing, um ihn mit Sauerstoff zu versorgen. Sein behandelnder Arzt hatte ihm zwar schon vor langer Zeit gesagt, dass eine Rundumversorgung für den Körper besonders gut sei, und das schwerarbeitende Herz entlassten würde. Der Patient stellte diese "Aufforderung" des Arztes immer ganz weit in den Hintergrund.

Wer kennt dies nicht, Du gehst durch eine Strasse und es kommt ein Rollstuhlfahrer oder ein Mensch auf Gehhilfen. Automatisch schaut man kurz hin. Man will es nicht, aber man macht es. Der eine starrt kurz der andere lang und anhaltend. Der Rollstuhlfahrer selber merkt das sehr wohl.........aber mit der Zeit gewöhnt er sich vielleicht an die Blicke. Nun, ich war schon mehrmals in der Situation, dass ich nur noch unter Sauerstoffgabe zur Untersuchung in die Klinik fahren konnte. Dies geschah aber immer mit dem eigenen Auto. Ich wurde also immer bis vor den Eingang gebracht und auch dort wieder abgeholt. Ja, Ihr habt es bestimmt gemerkt, ich rede von mir selbst. Wenn ich dann mit meinem Sauerstoffgeraet durch die Krankenhausflure "lief", merkte auch ich diese Blicke, die sich nicht nur in meinen Rücken bohrten, sondern mich auch direkt von vorne trafen. Es war unangenehm, aber im Krankenhaus machte mir dies nicht ganz soviel aus.

Nun bin ich, wie ich selbst merke, an einem Punkt angekommen, wo es ohne Sauerstoffgabe nicht mehr funktionieren will. Erneut hatte mich ein Infekt von einer Stunde auf die andere umgehauen. Von Anfang an versorgte ich meinen Körper rund um die Uhr mit Sauerstoff. Schon am ersten Tag begann ich mit einer erneuten i.V. Therapie. Diese habe ich gerade beendet. Das Sputum hat sich wieder entfärbt und das hohe Fieber ist weg. Nur meinen Sauerstoff möchte ich nicht mehr missen. Es geht einfach nicht mehr ohne. 14 Tage ununterbrochen zu Hause am 10 Meter langen Schlauch sind für mich einfach nicht auszuhalten. Ich muss unter Menschen sein, ich muss raus.......!

Gestern abend war es soweit......das erste Mal !

Anne, meine Frau und ich sind "Genussmenschen".



Wir lieben gutes Essen zu zweit.Gerne bei unserem "Lieblingsgriechen". Auch der, der mich mittlerweile gut kennt, hatte mich so noch nie gesehen. Da es ohne Sauerstoff nicht geht, nahm ich ganz "mutig" mein portabeles Sauerstoffgerät mit ins Lokal. Als wir das vollbesetzte Lokal betraten, merkte ich direkt diese eben schon beschriebenen Blicke. Unser freundlicher Wirt brachte uns zu unserem reservierten Tisch. Er fragte mich ganz direkt, was los wäre. Auf direkte Fragen sollte man auch direkt antworten. Damit war bei ihm das Thema erledigt. Lediglich einige Herrschaften in unmittelbarer Tischnähe vergassen fast ihr Essen oder verfehlten mit ihrer Gabel fast den Mund. Mir ging es dabei ganz(und nun entschuldigt bitte den Ausdruck) "schön beschissen". Man kommt sich wie ein Mensch von einem anderen Stern vor. Ich habe versucht, diesen Blicken mit festem Gegenblick zu begegnen. Es funktionierte ! Die "Dame" am Tisch gegenüber begann plötzlich wieder zu essen und traf auch wieder mit der Gabel den Mund. Das Essen war wie immer super, obwohl ich es trotz Begleitung meiner lieben Frau nicht so richtig geniessen konnte.

Man muss sich überwinden. Diese Überwindung braucht sehr viel Kraft. Diese Kraft muss man erst aufbauen. Auch ich muss mich erst an diese Blicke gewöhnen. Ich werde es schaffen, auch wenn es mir bestimmt schwerfällt. Ich musste diese Gedanken einfach los werden. Das klappt am besten, wenn man sie aufschreibt. An diesem Erfahrungsbericht könnt Ihr sehen, dass auch ich meine Probleme habe. Probleme können immer gelöst werden, wenn man daran arbeitet. Also werde ich es tun........

Euer Udo im Juli 2000