Erstellungsdatum: 09/1999 letzte Änderung: --/----



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Bericht ueber eine Fahrt mit einem Heissluft-Ballon

In diesem Bericht ueber eine Ballonfahrt moechte ich Euch einmal den Ablauf eines solchen "Abeuteuers" naeherbringen. Ich hatte diese Ballonfahrt von meiner Frau zum Geburtstag geschenkt bekommen. Da ein solches Abenteuer alleine keinen Spass macht, haben wir meinem Bruder zu seinem 50.Geburtstag auch einen solchen Gutschein ueberreicht. Er war "hocherfreut", weil er eine absolute Hoehenangst hatte. Nach einem kurzen Augenblick Bedenkzeit sagte er aber dennoch "mannhaft" zu. Gechartert wurde diese Fahrt bei einem Balloncharterunternehmen in Wuppertal.

An einem Sonntag-Abend fanden wir uns auf dem Sportflughafen Wipperfuehrt ein. Um 19.00 Uhr darf auf diesem Flugplatz mit keinem Flugzeug mehr gestartet oder gelandet werden. Unser Pilot und seine Crew fuhren das Verfolgerfahrzeug samt Ballonanhaenger mitten auf die Startbahn. Nach einem kurzen Einweisungsgespraech bekamen wir unsere Arbeitshandschuhe und mussten kraeftig mitanfassen.


Der aufgeklappte Anhaenger mit unserem Piloten

Als erstes wurde der Korb ausgeladen und mit dem Brenneraufbau versehen. Die Navigationsinstrumente wurden befestigt.


Nach einem kurzen anfeuern des Brenners zur Probe, wurde der Korb auf die Seite gelegt.

Nun mussten wir alle kraeftig anpacken. Es galt den 27 Meter hohen Ballon aus seiner Verpackung zu holen und auf der Wiese auszubreiten. Dabei kommt man kraeftig ins Schwitzen.


Der Ballon wird ausgelegt

Die Halteseile des Ballon worden dann am Korb befestigt. Der Korb hat eine Grundflaeche von ca. einem Quadratmeter. Dort stehen dann 4 Personen und 5 grosse Gasflaschen. Er ist also nicht gerade geraeumig. Nun mussten wir mit 2 Mann die Ballonoeffnung aufhalten. Ein grosser Ventilator füllte die Huelle mit Luft. Man musste sich schon gut festhalten, um nicht weggeblasen zu werden.


Ein Blick in das Innere des riesigen Ballons

Das war kein Problem, aber im naechsten Schritt kam ich mir vor wie ein Grillwuerstchen. Der Pilot kniete im Korb und feuerte, was die Flaschen hergaben. Der Ballon wurde immer praller und groesser. Dadurch entwickelte sich ein wahnsinniger Auftrieb, und man konnte den Ballon kaum noch am Boden halten. Endlich wurden wir erloest und durften den Ballon loslassen. Langsam richtete er sich samt Korb auf. Gesichert war der Ballon mit einem dicken Tau an der Anhaengerkupplung des Verfolgerfahrzeuges. Nun ging alles sehr schnell. Wir stiegen in den Korb. Es folgte ein kurzes "kommt gut wieder runter" unserer Ehefrauen. Dann ging es schnell und fast lautlos nach oben. Mein Bruder Heinz hatte gar keine Zeit ueber seine Hoehenangst nachzudenken, und wir waren beide vollkommen beeindruckt. Im Nu hatten wir 100 Hoehenmeter erreicht, und der Pilot bot uns das "Du" an.


100 Meter ueber der Startbahn und keine Hoehenangst

Der Pilot gab nun ueber Funk die Fahrtrichtung und die Geschwindigkeit an das Verfolgerteam weiter. Unsere Frauen fuhren mit dem Auto hinter den Verfolgern her, um bei der Landung mit dabei zu sein. Sie berichteten hinterher, dass das sehr aufregend war. Ausserdem filmten sie die Fahrt vom Boden aus, und im Gegenzug verfolgten wir die Fahrzeuge mit der Kamera aus dem Korb. Das Tolle an einer solchen Fahrt ist, dass man keinen Windzug spuert. Der Ballon faehrt ja mit dem Wind. Man hoert jedes Geraeusch von unten. Nur die tosenden Flammen des Doppelbrenners zerreisst die Stille am Abendhimmel. Schnell waren wir auf ueber 600 Meter Hoehe angekommen.


Hier ein Blick auf die Bevertalsperre

Muko´s brauchen keine Angst vor der duennen Luft zu haben. Es ist nichts anderes, als wenn Ihr im Mittelgebirge spazieren geht. Zur Sicherheit muss jeder Ballonfahrer knoechelhohe Schuhe und Arbeitshandschuhe tragen. Die Fahrt ging nun mit 17-20 Stundenkilometer ueber die Bevertalsperre, die Wuppertalsperre und weiter Richtung Hueckeswagen. Um die Hoehe zu halten muss immer wieder die Temperatur im Inneren des Ballons auf ca. 100 Grad gehalten werden.


Das ist ein Blick in die Huelle, wenn der Brenner an ist

Wir fuhren weiter ueber Remscheid-Lennep. Nach einer Stunde Fahrzeit machte sich der Pilot so langsam auf die Suche nach einem Landeplatz. Es kam zu unserem Glueck eine Hochspannungsleitung nach der Anderen.


Der Pilot schaut sich nach einem Landeplatz um.

Wir gingen nun immer tiefer. Die Fahrt ging langsam ueber eine Einfamilienhaussiedlung weg. Hier standen bereits unsere Verfolgerfahrzeuge und ahnten nicht, dass sie uns noch eine halbe Stunde auf den "Spuren" bleiben mussten.


Unsere Verfolger auf der Strasse

Hinter der Siedlung konnten wir auch nicht landen, weil ein grosses Waldgelaende folgte. Also musste die Huelle des Ballons weiter befeuert werden, um wieder Hoehe zu gewinnen. Die Hochspannungsleitungen wollten kein Ende nehmen. Dann nach 1 1/2 Stunden Fahrtzeit eine frisch gemaehte Wiese. Es war mittlerweile schon 22:10 Uhr. Der Pilot setzte zur Landung an. Ein kurzer Aufsetzter, ein kurzer 2 Meter Huepfer und der Ballon war sicher gelandet. Da der Ballon etwas weit vom Weg aufgesetzt hatte, stiegen mein Bruder und ich und der dritte Fahrtgast aus. Der Pilot gab etwas Feuer, und wir zogen den Korb samt praller Huelle bis an den Weg. Nun wurde die Luftklappe des Ballons geoeffnet. Er sank in sich zusammen und legte sich langsam auf die Seite. Erst dann erreichte uns das Verfolgerteam. Nun musste alles wieder eingepackt und verstaut werden. Gegen 23:15 Uhr wurden wir dann unter Scheinwerferlicht auf der Wiese in den Ballonfahrer-Adelsstand erhoben. Man muss sich dabei auf die Knie begeben. Bei der Ballonfahrertaufe wird auf dem Kopf ein Bueschel Haare angesteckt und mit Wasser geloescht. Im Anschluss bekommt man noch die Erde, auf der man gelandet ist, auf die Haare gelegt. Den Name muss man innerhalb von 2 Tagen auswendig koennen. Denn sollte man seinen Namen nicht auswendig aufsagen koennen, so kostet das in Ballonfahrerkreisen immer eine Runde. Das kann teuer werden.......!

Alles in allem war es zusammen mit meinem Bruder ein tolles Erlebnis, und er wurde von seiner"Hoehenangst" befreit. Wir wuerden sofort wieder mitfahren. Es ist einfach nur empfehlenswert.

...........achja !
In Ballonfahrerkreisen nennt man mich nun "Luftgraf Udo, Beherrscher von Feuer und Flamme ueber Remscheid Lennep". Mein Bruder hat es mit seinem Titel schon etwas schlechter "Luftlord Heinz wagemutiger Himmelsstuermer ueber der Wuppertalsperre, tollkuehner Wiesenanlander zu Wuppertal-Ronsdorf