Erstellungsdatum: 02/07/2002 letzte Änderung: 09/07/2002



Gehe zurück zur Hauptseite:
WWW.MUKOLAND.DE


3 Monate nach meiner DLTX


Liebe Mukoland-Besucher !

Am 29.06.2002 war das erste viertel Jahr nach meiner Doppellungentransplantation überstanden. In dieser Zeit ist vieles passiert, an das ich mich erst mal gewöhnen muß. Es ist einfach toll, daß ich wieder spazieren gehen kann, ohne einen 3,8 KG schweren Sauerstoffrucksack mit mir rumtragen zu müssen. Es ist noch besser, daß ich auch bei längeren Fusswegen nicht mehr ausser Atem komme. Ohne die Sauerstoffbrille wird man auch nicht mehr wie ein Außerirrdischer angesehen. Diese Blicke vergißt man so schnell nicht. Natürlich wurde ich auch kurz nach der DLTX auf der Strasse angesehen, weil ich den Mundschutz trug. Komischerweise empfand ich diese Blicke gar nicht mehr so schlimm. Ja, nun nach der OP waren mir die Blicke fast egal.

In diesen 3 Monaten ist vieles geschehen, Positives und Negatives. Das wichtigste Positive ist und bleibt, daß ich wieder frei atmen kann. Ich bin auch sehr froh darüber, daß ich mich nicht mehr jeden Tag intravenös spritzen muß. Es gibt aber auch negative Sachen, die ich hier auch nicht verschweigen möchte. Sehr traurig war ich darüber, daß ich in den 3 Monaten 3 neue Freunde verloren habe, die zur gleichen Zeit mit mir transplantiert wurden.

Viele Leute, die vor einer Transplantation stehen, denken, daß es ihnen nach der Transplantiation nur noch gut gehen kann. Das habe ich auch gehofft. Ich wurde aber schon einen Tag nach meiner Entlassung aus der Klinik auf den Boden der Realität zurückgeholt. Am 12. Tag nach der DLTX wurde ich bereits entlassen. Überglücklich kam ich nach Hause. Schon einen Tag danach kam ein Anruf aus der Klinik, daß ich mir dort einen CMV Virus eingefangen hatte. Noch am gleichen Tag begann ich zu Hause eine 3 1/2 wöchige sehr harte i.v. Therapie. Ich hatte so starke Nebenwirkungen, daß ich 2 Wochen fest im Bett lag und sehr verzweifelt war. Dann ging es aber wieder aufwärts und der Keim war besiegt. Meine Werte stiegen und stiegen und stiegen. Dann erwischte mich ein Magen- und Darmvirus. 2 Tage starkes Erbrechen und Durchfall. Mein Lungenfunktionswert fiel von heute auf morgen um über 1 Liter. Es war aber zum Glück keine Abstoßung. Auch hiervon erholte ich mich ziemlich schnell und mein FEV1 Wert stieg wieder auf über 4 Liter. Ich möchte auch nicht die Schmerzen im Brustbereich verschweigen, die ich auch noch nach einem viertel Jahr nach der DLTX habe. Besonders beim Wetterwechsel machen sich diese Schmerzen bemerkbar. Ohne Schmerztabletten kann ich es dann kaum aushalten. Die vielen Tabletten am Tag, die ich gegen die Abstoßung und Nebenwirkungen einige Medikamente einnehmen muß, machen mir auch zu schaffen. Mein Magen hat sich an die Riesendosis "Chemie" noch nicht gewöhnt. Nach der Einnahme, besonders am Morgen, überkommt mich regelmässig eine sehr unangenehme Übelkeit. Damit diese Übelkeit nicht so sehr stört, habe ich von der Klinik MCP Tropfen bekommen. Durch diese Tropfen habe ich die Übelkeit so einigermaßen in den Griff bekommen.

Optisch hat sich in den 3 Monaten auch so einiges getan. Hier sind 3 Fotos die 12 Tage nach der DLTX entstanden sind.



Auf den nächsten 2 Fotos sieht man, wie schnell der Körper eine so schwere Operation verarbeitet...


Die Narben sind sehr gut verheilt und sehr elastisch. Nun noch einige Worte zu den Nachsorgeuntersuchungen in der MH Hannover. Am 12. Tag wurde ich entlassen. Die erste Wiedervorstellung war genau 12 Tage später. Die 2. Nachsorgeuntersuchung folgte nach 14 Tagen. Durch den Infekt mußte ich eine Woche darauf erneut nach Hannover. Nun bekam ich 14 Tage Zeit bis zum nächsten Termin. Im Augenblick liegen meine Untersuchungen in einem 6 wöchigen Zeitraum. Aufgrung meiner guten Werte war bis heute noch keine einzige Bronchoskopie bei den Nachsorgeuntersuchungen erforderlich. Darüber bin ich natürlich sehr froh, obwohl ich davor keine Angst mehr habe. 4 Bronchoskopien wurden in der Zeit meines Krankenhausaufenthaltes ohne Probleme in der MHH durchgeführt.

Nun noch ein paar Worte zum medizinischen Verlauf. Meine Werte steigen seit der DLTX stetig an. Nur in den Zeiten der 2 Infekte kam es zu einem Einbruch. Ich messe täglich 3 Mal meinen SPO2 Wert (aterielle Blutsauerstoffversorgung). Hier nun die Grafiken der letzten 3 Monate:




Die Meßergebnisse lagen fast immer bei 98% ! Dies ist ein sehr guter Wert, mit dem ich und meine Ärzte sehr gut zufrieden sein können. Auf den nächsten 3 Grafiken sehen Sie meine Ruhepulsstatistik der letzten 3 Monate. Mein Ruhepuls schwankt gewaltig. Morgens ist er meist um die 80-85. Am Tage steigt er oft auf 100-110 Schläge per Minute.




Nun aber noch für mich die wichtigsten 3 Grafiken. Es handelt sich hier um die Entwicklung meines FEV1 Wertes. Hier ist genau der Anstieg in den 3 Monaten zu erkennen. Man sieht aber auch genau die 2 Einbrüche in den Infektzeiten. Meinen besten FEV1 Wert erreichte ich am 06.07.2002 mit 4,41 Liter. Es ist für mich einfach toll, denn ich hatte vor der DLTX nur noch einen FEV1 Wert von 0,8 - 0,9 Liter.




Es gibt aber auch noch Sachen, die mir nicht so gut gefallen. Bedingt durch die Abstoßungsmedikamente wird der Haarwuchs gefördert. Die Augenbrauen wachsen zusammen. Auf den Fingern wachsen auf einmal Haare usw. Na gut, auch damit muß und kann man leben. Es gibt ja Haarschneidemaschinen. Auch stelle ich seit der OP ein ständiges Zittern in den Fingern fest, was ich aber auch auf die Tabletten "schiebe". Vielleicht gewöhnt sich mein Körper ja daran noch im Laufe der vielen vielen Jahre, die ich nun noch leben werde. Damit das auch alles funktioniert, trainiere ich täglich auf meinem Ergometer und gehe viel mit meiner Frau spazieren. Wir sind auch bereits mit unseren Fahrrädern am Essener Baldeneysee gefahren. In einer Stunde und 10 Minuten hatten wir ihn umrundet. Es geht also aufwärts.

An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal bei den vielen Leuten bedanken, die mir zu dem guten Ausgang meiner Transplantation gratuliert haben. Hier kommen immer noch täglich E-Mails und Gästebucheinträge an. Vielen Dank.....

Euer Udo Grün