Erstellungsdatum: 29/03/2003 letzte Änderung: --/--/2002



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1 Jahr nach meiner DLTX die 1. Flugreise


Liebe Mukoland-Besucher !

Heute möchte ich mich zum 1. Jahrestag meiner Lungentransplantation wieder mit einer neuen Seite bei Euch melden. Auf dieser neuen Seite gibt es aber keine medizinische Berichterstattung. Zum 1. Jahrestag haben wir uns eine schöne Urlaubsreise nach Portugal an die frühlingshafte Algarve "gegönnt" ! Wir wollten einfach ausspannen und relaxen, von den ganzen Strapazen der letzten 24 Monate Abstand nehmen. Also buchten wir ein kleines portugiesisches 4-Sterne Hotel mit Blick auf den Atlantic. Am Montag, den 10.03.2003 ging es los. Leider ging der Flug nach Faro nicht Nonstop. Wir flogen bereits um 6.05 Uhr in Düsseldorf los in Richtung München. Dort hatten wir schon beim Landeanflug einen traumhaften Blick auf die Alpen. Es folgte eine Zwischenstop von knapp 2 Stunden, bevor wir wieder mit dem nächsten Flugzeug nach Faro/Portugal flogen. Auch hier war die Sicht phantastisch. Es war keine Wolke am Himmel und Anne und ich hatten einen wunderbaren Flug. In Faro gelandet, empfing uns das Land direkt mit einer wunderbaren Luft. Der Transport zum Hotel ging zügig über die Bühne und nach gut einer Stunde waren wir in unserer Anlage in Albufeira. Die versprochene Sicht über den Atlantic hatten wir vom Balkon aus. Als erstes stellten wir aber die monströse Klimaanlage ab, da ich mir den Urlaub nicht durch einen Infekt vermiesen lassen wollte. Albufeira liegt an einem Berghang, der sich bis ans Meer erstreckt. Damit Ihr einen Überblick bekommt, hier einige Fotos:



An der Algarve herrscht Frühling. Dies konnte man nicht nur an den Temperaturen merken sondern auch "riechen" und vorallem sehen. Es ist die Zeit wo die ersten Blumen blühen, und überall stehen die Mimosen voll in Blüte



Albufeira hat im Winter ca 30.000 Einwohner. Im Sommer sind es allerdings 120.000. Deshalb haben Anne und ich den Frühling gewählt. Die Stadt war noch herrlich unbesucht und der Strand am Morgen fast menschenleer. Die Temperaturen waren tagsüber in der Sonne zwischen 26 und 32 Grad. Es war sehr angenehm. Gegen Abend brauchte man aber einen dicken Pullover bzw. eine Jacke. Die Temperaturen des Wassers lagen bei 16 Grad. Schwimmen war deshalb nicht angesagt. Wir nutzten fast jeden Vormittag zu langen und ausgiebigen Strandspaziergängen. Es gab dabei immer etwas zu sehen und zu finden, und wenn es nur unser eigener Schatten war.



Am Wasser kann man natürlich auch Tiere beobachten, die man bei uns nicht sieht. Der lange Strand von Albufeira zeigte uns jeden Tag sein neues Gesicht.


Portugal bzw. die Algarve, hat eine unverkennbare Küstenlandschaft. Die Felsküste besteht aus Sandstein, der in immer anderen Farben leuchtet. Man kann diesen Anblick einfach nur genießen und auf sich einwirken lassen. Dazu kommt die dichte Vegetation im Hinterland und die manchmal todesmutige Bebauung direkt über der Klippe.



In der ersten Woche hatten wir eine Jeepsafari gebucht. Gegen 9 Uhr morgens wurden wir von einem deutschen Führer mit einem grossen Land-Rover abgeholt. Schnell ging die Fahrt hinaus aus Albufeira. Und ehe wir uns versahen, rumpelten wir über ausgefahrene, unbefestigte Strassen und durchquerten auch Bäche in voller Fahrt. Es war schon etwas gewöhnungsbedürftig, und meine neue Lunge mußte sich ganz schön "festhalten" ! Unserer Fahrer hielt unwillkührlich an, sprang aus dem Auto, pflückte hier und da und kam mit vielen verschiedenen Kräutern zurück. Portugal ist ein Eldorado für Köche. Du kannst an jeder Ecke etwas für den Kochtopf finden. Wir fuhren zuerst zu einem einsamen Gehöft und besuchten eine Korbflechterfamilie.


Uns wurde gezeigt, wie die Körbe angefertigt werden. Natürlich konnte man auch alle Produkte kaufen. Das Einkommen ist in Portugal sehr gering und vorallem die Rente ist sehr klein. So verdienen sich die älteren Portugiesen noch gerne ein "Zubrot" hinzu. Weiter ging es in die Korkwälder. Portugal ist ja berühmt für seine Korkindustrie. Die Bäume werden alle 9 Jahre geschält und das Kork verarbeitet.



Uli, unser Fahrer, gab auch hier seine Kentnisse zum Besten und nach einer Zigarettenpause ging es hinauf auf einen Berg. Dort konnten wir uns noch 2 alte Mühlen ansehen und die Aussicht genießen.


Weiter ging die "wilde" Fahrt ins Hinterland auf einen ganz einsamen Bauernhof. Keiner wußte, was wir da wohl sollten. Uli ging zielstrebig auf einen Schuppen zu und öffnete ihn. Es standen einige nicht sehr ansehnliche Plastikfässer dort und eine alte Brennanlage. Er erklärte uns den Brennvorgang für Feigenschnaps, und anschließend ging es natürlich in den "Verkostungs-" bzw. Verkaufsraum. Und nun MHH weggehört: ich habe es getan. Ich habe einen selbstgebrannten Feigenschnaps getrunken ;o) . Anne hat lieber die Marmeladen probiert.



Zum Mittagessen hielten wir an einem kleinen Gasthaus mitten in der "Wildnis". Es gab zuerst die obligatorische portugiesische Gemüsesuppe und danach frisches schwarzes Hausschwein mit Pommes und Salat. Das war der erste Schweinebraten seit langer Zeit, der nicht nach Wasser schmeckte. Die Schweine laufen frei herum und werden angefüttert. Bei Bedarf werden sie geschossen. Zum Nachtisch gab es Apfelsinen, die derzeit in Portugal geerntet werden. Als wir aus dem Lokal kamen, wurden wir von einem "jungen" Musiker empfangen, der uns mit ein paar flotten Weisen auf die Weiterfahrt einstimmte.


Weiter ging die Fahrt nach Alte. Dort besichtigten wir eine sehr schöne alte Kirche und schauten auch in einen der typischen portugiesischen Keramikgeschäften. Hier konnte man alles kaufen, was das Herz begehrte.



Das letzte Ziel war das Castelo de Paderne. Es ist ein altes Fort auf einem Berg, auf dessen Gelände schon seit einiger Zeit Ausgrabungen stattfinden. Wir konnten direkt dabeisein und zusehen. Es ist schon recht mühsam zu erleben, wie Schicht um Schicht mit dem Pinsel abgetragen wird. Studenten aus mehreren Ländern sind dort bei dieser Ausgrabung vereint.


Es war ein sehr schöner, aber auch sehr anstrengender Tag. Anne und ich spürten am nächsten Tag jeden Knochen in unserem Körper, denn es ging wirklich sehr lange Strecken über Lehm- und Schotterwege. Samstag und Sonntag wollten uns Dr. Sebastian Beck und seine junge Frau Lenia aus Porto besuchen. Sie hatten sich für dieses Wochenende extra 600 km An- und 600 km Abreise vorgenommen. Sie kamen Freitagabend erst spät an. Sie wohnten im Hotel Albufeira Jardim direkt neben uns. Nach dem Frühstück hatten wir uns am Pool ihres Hotel verabredet. Schnell noch einen Kaffee getrunken und es folgte ein langer Strandspaziergang. Hier noch schnell ein Foto ...


Es war an dem Tag wirklich sehr heiß und ein Stück des Weges ging es durch´s Wasser. Sebastian wurde hierbei unfreiwillig von einer Welle getroffen, was ihn aber wenig erschütterte. Abends wollten wir so richtig portugiesisch Essen gehen. Wohin geht man aber, wenn man sich im Ort nicht auskennt. Ganz einfach .... man wartet vor einer Kirche, bis eine nette alte Dame herauskommt. Dann schickt man Lenia vor und sie befragt dann die nette Dame nach einem guten Lokal. Volltreffer ! Nach einem Fußweg von 20 Minuten erreichten wir das Lokal mit dem Namen "Großmutters Küche". Lenia und Sebastian bestellten dann 4 verschiedene portu. Gerichte und 4 Teller. So konnten wir uns gleich von mehreren Gerichten ein Bild machen. Es schmeckte sehr lecker. Im Anschluß an unser Essen gingen wir zuerst in unsere Hotelbar. Da die Musik aber an diesem Abend nicht die richtige war, gingen wir noch ins Albufeira Jardim zum Tanz. Es war ein sehr schöner Tag, wofür wir uns hier noch einmal bei Lenia und Sebastian bedanken möchten. Am nächsten Morgen haben wir dann noch in unserem Hotel zusammen gefrühstückt, bevor sich die beiden wieder auf den Weg machten. Die Zeit verging leider viel zu schnell. Also Sebastian und Lenia, das indonesische Büffet für Euren nächsten Deutschlandbesuch ist versprochen.

Kaum hatten uns die beiden verlassen, zog sich der Himmel zu und ein Sturm kam auf, der auch 2 Tage anhielt. Die Temperaturen fielen gewaltig und die Wellen kamen meterhoch, um dann mit Urgewalt gegen den Fels zu schlagen. Es war sehr ungemütlich, trotzdem liefen wir mit Wetterjacken geschützt jeden Tag unsere Kilometer ab. Der Weg vom Hotel zum Strand und danach wieder zurück war immer sehr anstrengend, denn er war sehr steil. Wir wohnten am höchsten Punkt von Albufeira. Gut 100 Meter Höhenunterschied zur Meereshöhe. Am ersten Tag brauchten wir für den Weg vom alten Stadtkern bis in unser Hotel gut 25 Minuten und ich hatte ganz schönen Muskelkater in den Beinen. Es sind steile Antiege mit unzähligen Stufen. Am Ende unseres Urlaubs waren wir so fit, daß wir nur noch 9 Minuten brauchten. Hier noch ein paar Fotos der sturmgepeitschen See und den engen Gassen ...



Dienstags wurde es dann wieder etwas besser. Das war auch gut so, denn wir hatten eine Bustour, genauer gesagt eine Algarve-Rundreise gebucht. Zuerst wird man ca. anderthalb Stunden durch die Gegend geschaukelt um die Mitfahrer an den Hotels aufzusammeln. Im Anschluß besichtigten wir das Denkmal von Heinrich dem Seefahrer. Direkt dahinter liegt der alte Sklavenmarkt. Da haben wir uns natürlich direkt mit Selbstauslöser fotografiert.


Weiter ging es in die Berge bis auf 905 Meter. Dort konnte man aber die Hand vor Augen nicht sehen, denn es lag alles in den Wolken. Von einem Zwischenstopp aus fotografierte ich noch schnell einen Granitsteinbruch. Riesige Blöcke werden hier aus dem Fels geschlagen bzw. gesprengt.


Anne und ich nutzten die Pause für einen Spaziergang durch einen Korkeichenwald. Ich muß gestehen, daß es hier oben bitterkalt war. Trotz Pullover und Jacke froren wir erbärmlich. Deshalb zogen wir dann doch einen heißen Kaffe in einer kleinen Bar am Wegesrand vor.


Ehe ich es vergesse, auf dem Weg in die Bar kamen wir noch an einem einsamen Zitronenbaum vorbei. Hier pflückte Anne die erste Zitrone ihres Lebens. Das mußte natürlich auch im Foto festgehalten werden.


Auf der Rundreise durfte natürlich der Besuch des südwestlichsten Punkt Europas nicht fehlen. Es ist ein urgewaltiger Fels in der Brandung, auf dem das stärkste Leuchtfeuer Europas steht. 200 Kilogramm Quecksilber sorgen für eine gewaltige Leuchtkraft. Es gibt dort auch einen Felsen im Meer, der wie ein großer Schuh aussieht. Leider auch eine Bretterbude, die nur im Sommer geöffnet hat. Darin gibt es die letzte deutsche Bratwurst vor Amerika.



Den Rest des Urlaubs haben wir wirklich in Ruhe genossen. Wir sind jeden Tag stundenlang am Strand spazierengegangen. Wenn wir genug hatten, sind wir in eine kleine Bar gegangen und haben einen Kaffe getrunken oder die süßen portugiesischen Torten probiert (mein Bauch läßt grüßen ;o) ). Abends haben wir uns in guten Lokalen köstlich verwöhnen lassen und an mehreren Abenden sind wir auch tanzen gewesen. Das war besonders schön, denn dies konnten wir viele Jahre nicht mehr tun. Am letzten Tag unserer Reise waren wir noch in Sachen Mukoland unterwegs. Mein E-Mailfreund Willem Brinkert und seinen lieben Eltern hatte uns zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Willem ist Student und hat CF. Er ist mit seinen Eltern vor 13 Jahren nach Portugal ausgewandert, um die besseren klimatischen Verhältnisse zu nutzen. Sie wohnen ausserhalb von Albufeira auf dem Land in einem wunderschönen großen Haus inmitten von 5000 qm naturbelassenem Garten. Aber mehr verrate ich nicht, denn es folgt eine große Reportage in den nächsten Tagen über Willem hier im Mukoland. Wir möchten Willem und seinen Eltern für die Gastfreundschaft danken.


Auf unserem Rückflug hatten wir 5 Stunden Aufenthalt in München. Ich wäre nicht der vom Mukoland, wenn ich diese Stunden nicht genutzt hätte. Also trafen wir uns auf einen Kaffee und ein Wasser, mit dem alten Weggefährten Stephan Kruip, der extra zum Münchner Flughafen herausgefahren war. Herzlichen Dank auch an Dich Stephan, es war ein sehr kurzweiliges und nettes Gespräch unter alten Freunden.


So, nun noch abschließend zu meiner Situation ein Jahr nach der LTX. Mir geht es gut, ja genauer gesagt von der Lunge her sehr gut. Es gibt aber Sachen, die mich manchmal völlig nerven. So z.B. die total überhöhten Leber- und Nierenwerte. Ein ständiges Anpassen der Medikamente und die immer lauernde Gefahr einer Abstossung lassen mich doch manchmal sehr nachdenklich werden, was nicht heißt, daß ich diesen Schritt nicht noch einmal tun würde. Jederzeit und immerwieder !!! Es ist eine Chance für jeden Muko, der in einer Art Endstadium lebt. Die Chance, ein neues Leben beginnen zu dürfen. Auch an dieser Stelle wieder einen großen Dank an den Spender bzw. an die nahen Verwandten, die das alles möglich gemacht haben. Das nächste Foto spiegelt wohl am besten die zeitweilige Lebenssituation wieder ..... unser Leben ist nun sehr bewegt.


Machts gut und haltet Euch fit und gesund
Euer Udo Grün